Einführung der Europäischen Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU (neu)

Am 19. Juli 2016 trat die neue Druckgeräterichtlinie (DGRL) 2014/68/EU in Kraft. Die neue Richtlinie löst die alte Europäische Druckgeräterichtlinie 97/23/EG (engl. Pressure Equipment Directive, PED) ab. Die „neue“ DGRL wurde an das NLF (New Legislative Framework) angepasst. Das NLF wurde 2008 von der EU verabschiedet und schafft einen einheitlichen Rechtsrahmen für die Marktüberwachung von Produkten, die den europäischen Harmonisierungsrichtlinien unterliegen. Alle Änderungen, die sich durch die Einführung ergeben, müssen von den Druckgeräteherstellern bis zu dem Stichtag umgesetzt sein. Die Richtlinie regelt die Entwicklung und Herstellung von Druckgeräten (Druckbehälter, Rohrleitungen, Dampfkessel etc.), und erweitert die Definition des Begriffes des Herstellers.
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Begriff des Herstellers

In der Richtlinie heißt es, sie gilt „nicht für den Zusammenbau von Druckgeräten, der — beispielsweise in Industrieanlagen — auf dem Gelände und unter der Verantwortung eines Anwenders erfolgt, der nicht der Hersteller ist.“ Mit dieser Formulierung wird deutlich, dass der Endanwender, der aus mehreren Druckgeräten eine Anlage - zur eigenen Verwendung - zusammenbaut, nicht als Hersteller einer „Baugruppe“ gilt und daher für den Zusammenbau auch keine Konformitätsbewertung gemäß DGRL benötigt.

Die Definition des Herstellers wurde in der DGRL in Art.2 (18) benannt: Hersteller ist nach neuem Recht „jede natürliche oder juristische Person, die ein Druckgerät oder eine Baugruppe herstellt bzw. entwickeln oder herstellen lässt und dieses Druckgerät oder diese Baugruppe unter ihrem eigenen Namen oder ihrer eigenen Handelsmarke vermarktet oder für eigene Zwecke verwendet.“

Risikobewertung

In der neuen DGRL werden für alle Wirtschaftsakteure (Hersteller, Bevollmächtigte, Einführer und Händler) genaue Pflichten definiert, die die Rückverfolgbarkeit, die Kennzeichnung der einzelnen Druckgeräte sowie die Begleitdokumentation gewährleisten sollen. Neben neuen Begriffsbestimmungen und Modulbezeichnungen müssen Hersteller von Druckgeräten künftig, neben der bekannten Gefahrenanalyse, eine Risikobewertung durchführen.

Der VdTÜV unterstützt die Ansicht vieler Marktakteure, dass für eine komplexe Druckgeräte-Anlage das am Betriebsort aus den Gefahren resultierende Risiko nicht bei der Konformitätsbewertung im Rahmen der Abnahme beim Hersteller beurteilt werden kann. Zwischenzeitlich hat sich die Europäische Kommission im Entwurf zweier Leitlinien dahingehend geäußert, dass die bislang durchgeführte umfassende Gefährdungsanalyse der jetzt geforderten Risiko-Analyse entspricht. Offen ist jedoch immer noch, in wie weit die Benannten Stellen die vom Hersteller der Dokumentation beizufügende Risiko-Analyse inhaltlich bewerten sollen.