Hilfe zur Selbsthilfe: VdTÜV-Spende zeigt Erfolge

Im März 2009 spendete der VdTÜV 50.000 Euro an die Freie Universität der Großen Seen im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Nach über einem Jahr berichtet nun der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Kambale Karafuli, wofür die Universität die Gelder nutzte.
Studenten und Dozenten an der ULPGL nehmen die Laborausrüstung entgegen, die sie durch die VdTÜV-Spende erwerben konnten. (Foto: EED)
Studenten und Dozenten an der ULPGL nehmen die Laborausrüstung entgegen, die sie durch die VdTÜV-Spende erwerben konnten. (Foto: EED)

Hilfe zur Selbsthilfe - das war von Anfang an der Hauptgedanke hinter einer 50.000 Euro-Spende des VdTÜV. Anlässlich der 125-Jahrfeier des Verbandes im März 2009 übergab Dr. Guido Rettig, Vorsitzender des VdTÜV-Präsidiums, die Spende an Prof. Dr. Kambale Karafuli, Rektor der Freien Universität der Großen Seen (ULPGL) im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

Junge Menschen sollen ihrer Region helfen

Ziel der Spende war die Unterstützung einer Bildungseinrichtung im technischen Bereich, die junge Menschen vor Ort befähigt, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen und ihre Heimatregion zu entwickeln. Die ULPGL war prädestiniert für die Spende. Hier werden die Studenten insbesondere in Ingenieursberufen ausgebildet. Ein Schwerpunkt der Förderung liegt auf der Ausbildung junger Frauen. Aus Goma im Kongo richtete Prof. Karafuli nun ein Dankesschreiben an den VdTÜV-Vorsitzenden Dr. Guido Rettig. Darin erläutert er auch, wie die Hochschule die Spende des Verbandes vor Ort verwendet.

Etwas Frieden und Sicherheit

"Sehr geehrter Herr Dr. Rettig,

es ist mir eine große Ehre, Ihnen heute aus Goma zu schreiben und erfreuliche Neuigkeiten von unserer Ingenieurausbildung an der Freien Universität der Großen Seen (Université Libre des Pays des Grands Lacs – ULPGL) berichten zu können. Wir danken Gott, dass unsere Stadt im vergangenen Jahr etwas Frieden und Sicherheit fand und von den bewaffneten Kämpfen verschont blieb, die immer noch in den beiden Kivu­-Provinzen hier im Ostkongo zwischen Rebellen, Regierungssoldaten und der UN­-Schutztruppe MONUC ausgetragen werden.

Ermutigung für Studenten und Mitarbeiter

Zuerst möchte ich Ihnen im Namen unserer Dozenten, Assistenten und Studenten ein ganz herzliches 'Dankeschön' senden. Durch Ihre Spende fühlen sich alle in besonderer Weise ermutigt, auch unter widrigen Bedingungen ihr Studium fortzusetzen und zu ehrbaren Aufbauhelfern in unserem zerstörten Kongo zu werden.

Neue Laborausstattung

Die großzügige Spende des VdTÜV zeigt schon erste Früchte. In Erwartung der Laborausstattung hatten sich zum akademischen Jahr 2009/10 bedeutend mehr Studierende in der jungen Fakultät "Angewandte Technik“ eingeschrieben: 313 gegenüber 196 im Vorjahr; das ist eine Steigerung von fast 60 Prozent. Und auch das Vorhaben, junge Frauen zum Ingenieurstudium zu motivieren, zeigt erste Erfolge. Im Vorjahr waren nur neun Frauen in der technischen Fakultät eingeschrieben, in diesem Jahr bereiten sich schon 17 junge Frauen auf einen Ingenieurberuf vor.

Regenzeit ohne Überschwemmungen

Gerne lasse ich die Stimme einer Studentin zu Wort kommen, die im Oktober 2009 ihr Vorbereitungsjahr an der technischen Fakultät begonnen hat. Sophie Kavugho, gebürtig aus Butembo im Hochland des Nord­-Kivu, fasst ihre Gedanken so zusammen: 'Als Wasserbauspezialistin möchte ich meinen Schwestern und Brüdern helfen, dass sie sauberes Wasser trinken können und sich in der Regenzeit nicht mehr vor Überschwemmungen fürchten müssen. Meine technischen Kenntnisse aus der Schulzeit reichen nicht zum Ingenieurstudium. Jetzt hole ich im Vorbereitungsjahr Naturwissenschaft, Mathematik und auch Englisch nach, damit ich erfolgreich ins erste Studienjahr eintreten kann.'

Mühsame Vergangenheit

Bei uns in Goma ist nun auch endlich die lange ersehnte Laborausstattung für Elektrotechnik eingetroffen. Wie mühselig das Studium bisher war, beschreibt Rehema wa Bahati, die ebenfalls den technischen Grundkurs absolviert: 'Nun brauchen wir nicht mehr 250 km weit bis ins Technikzentrum Kigali der Hauptstadt Ruandas zu fahren, um praktische Übungen machen zu können und Messtechnik zu lernen.' Das neue Elektrolabor der ULPGL ist uns eine große Hilfe. Denn Elektrotechnik brauchen im Grunde alle. Student Niyonzima Rubakare, der sich im dritten Studienjahr besonders mit Infrastrukturen befasst, formuliert das so: 'Strom fehlt in Städten und Dörfern. Dabei verfügt unsere Region der Großen Seen über ein enormes Wasserkraftpotenzial. Mit guten Elektroingenieuren können wir unsere Wirtschaft voranbringen.'

Zuschüsse für bedürftige Studenten

Sie sehen, lieber Dr. Rettig, die Laborausstattung im Wert von 41.000 Euro wird von den Assistenten und Studierenden des Bereichs Elektrotechnik genutzt. Wie Sie sich vorstellen können, sind die anderen Fachrichtungen jetzt etwas neidisch. Die restlichen 9.000 Euro setzen wir als Studiengeldzuschüsse für bedürftige Studenten und Studentinnen ein. Wir hoffen, auch in den kommenden Jahren Sponsoren zu finden, zumindest so lange, bis die Zentralregierung in Kinshasa oder die Provinzregierung die Studienkosten übernehmen wird.

Gute Qualität in der Lehre

Die Herausforderung wird sehr deutlich: Auf der einen Seite ist die ständig steigende Nachfrage der zumeist armen Studenten auf erschwingliche Studienplätze zu befriedigen und auf der anderen Seite wollen wir eine gute Qualität der Lehre und möglichst auch der Forschung erzielen. Insgesamt studieren an den drei Standorten der ULPGL Goma, Butembo und Bukavu schon mehr als 2.800 Personen, davon 35 Prozent Frauen. Tausend junge Männer und Frauen möchten zusätzlich aufgenommen werden. Doch es fehlen auch die Lehrkräfte, die an geeigneten Hochschulen ausgebildet werden und dann auch in unserem Land bleiben.

Moralische Ermutigung

An den Festakt zur 125­-Jahr­feier des Verbands der TÜV in Berlin denke ich immer wieder gern. Im Namen der Studierenden, der Lehrenden, aller Angestellten und auch im Namen der Eltern danken wir dem Verband der TÜV nochmals von ganzem Herzen für die Spende und die darin ausgedrückte moralische Ermutigung.

Mit den besten Grüßen aus dem Herzen Afrikas verbleibe ich

Ihr

Le Recteur

Dr. Kambale Karafuli, Professeur"

Ansprechpartner

Referent Fahrerlaubnis, Bildung und Personalentwicklung, Begutachtung und Förderung der Fahreignung
T +49 30 760095-480