Unfallforschung der Versicherer vermisst serienmäßiges ESP bei Minis und Kleinwagen

Das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) hilft Autofahrern, das Schleudern ihres Autos zu verhindern. Doch noch lange nicht in allen Modellen ist es serienmäßig zu finden. Insbesondere die Käufer von kleineren Fahrzeuge müssen tief in die Tasche greifen.
ESP hilft den Autofahrern bei Schleudergefahr. Doch leider ist es vor allem in kleinen Autos nicht serienmäßig verfügbar. (Foto: Gerd Altmann/pixelio)
ESP hilft den Autofahrern bei Schleudergefahr. Doch leider ist es vor allem in kleinen Autos nicht serienmäßig verfügbar. (Foto: Gerd Altmann/pixelio)

Es kann lebenswichtig sein: das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP). Durch gezieltes Bremsen einzelner Räder versucht das System, ein Schleudern des Fahrzeugs im Grenzbereich zu verhindern und dem Fahrer so die Kontrolle über das Fahrzeug zu sichern. ESP verhindert durch gezieltes automatisches Abbremsen einzelner Räder sowohl das Übersteuern als auch das Untersteuern eines Fahrzeugs.

UDV untersuchte 278 Modellreihen

Doch das System ist vor allem in vielen Minis, Kleinwagen und so genannten Utilities immer noch nicht serienmäßig an Bord. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Dafür untersuchte die UDV 278 Modellreihen von 38 Herstellern, die auf dem deutschen Markt vertrieben werden. Insgesamt ist der Anteil der Modellreihen, in die serienmäßig ein ESP verbaut ist, gestiegen: 2006 war das bei 58 Prozent der Fall, 2007 bei 64 Prozent und 2008 bei 67 Prozent.

Seltenheitswert

Doch der Teufel liegt im Detail. Denn gerade bei der kleinsten Fahrzeugklasse hat der serienmäßige Einbau des ESP eher Seltenheitswert. Einzig Smart verbaut das System in jedem Fahrzeug. Und bei 19 Prozent aller Kleinstwagen ist ESP nicht einmal gegen Aufpreis erhältlich. Doch gerade die kleinen Autos und auch Gebrauchtwagen sind bei der Gruppe der jungen Fahrer sehr beliebt. Und die bilden ohnehin eine Risikogruppe.

300 bis 700 Euro Mehrkosten

Und vor allem diese jungen Fahrer haben oft nicht das Geld, den Aufpreis für das ESP zu berappen - sofern es denn überhaupt erhältlich ist. Je nach Modell und Hersteller kostet das ESP 300 bis 700 Euro mehr. Die UDV bemängelt weiterhin, dass auch einige Kleinwagenmodelle wie beispielsweise Opel Agila, Renault Twingo, Hyundai i10 und Daihatsu Materia nicht serienmäßig mit ESP angeboten werden.

Datenbank online

Die Ergebnisse der Untersuchung hat die UDV nun auch online zur Verfügung gestellt. In einer Datenbank haben Verbraucher die Möglichkeit, online zu schauen, ob ihr Wunschfahrzeug serienmäßig mit ESP ausgestattet ist. Da die Merkmale von Autos aus den Jahren 2006 bis 2008 berücksichtigt sind, können auch die Interessenten von Gebrauchtwagen hier Infos finden.

Spitzenreiter und Verlierer

Es gibt aber auch Hersteller, die in allen ihren Modellen ESP serienmäßig anbieten: Alfa Romeo, Audi, Cadillac, Jaguar, Jeep, Lexus, Mercedes, Saab, Smart und Volvo. Negativ auffällig, weil sie besonders große Lücken im ESP-Angebot haben, sind Chevrolet, Daihatsu und Suzuki. Dacia bietet gar kein Fahrzeug mit ESP an. Insgesamt haben 36 Prozent der Autos auf deutschen Straßen ein ESP eingebaut.

Viele Unfälle wären mit ESP weniger schwer

Dass ESP den Verkehrsteilnehmern viel Sicherheit bietet, gilt als unbestritten. Nach Untersuchungen der UDV wären 25 Prozent aller Pkw-Unfälle mit Personenschäden und sogar 35 bis 40 Prozent aller Pkw-Unfälle mit Getöteten durch ESP positiv beeinflussbar gewesen.

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