EU spielt mit fragwürdigen Studien

Das EU-Parlament hat kurz vor Weihnachten die neue Spielzeugrichtlinie verabschiedet. Auf die neutrale Drittprüfung verzichtet Brüssel nun weitgehend. Dabei stützt sich das Parlament auf methodisch fragwürdige Studien.
Die Spielzeugrichtlinie steht im EU-Parlament zur Abstimmung. (Foto: Gabi Schoenemann/pixelio)
(Bild: Pixelio)

Am 18. Dezember 2008 verabschiedete das EU-Parlament die neue Spielzeugrichtlinie. Als Grundlage dienten dem Parlament dabei methodisch fragwürdige Studien. Durch die Entscheidung der Mehrheit der Abgeordneten und der Kommission, auf neutrale Drittprüfungen von Spielzeug weitgehend zu verzichten, fällt die EU in ihrem Sicherheitsniveau weit hinter die USA zurück.

Große methodische Schwächen

Das EU-Parlament stützte sich bei seiner Entscheidung auf eine Studie, die von der dänischen Consulting-Agentur Ramboll Management erstellt wurde und große methodische Schwächen aufweist. So wurden die Daten überwiegend in Skandinavien erhoben. Darüber hinaus werden die Positionen der Hersteller und ihrer Verbände gegenüber den Verbraucherinteressen überbewertet und lediglich Meinungsäußerungen gesammelt. „Mit dieser Studie beruft sich das Parlament auf reine Behauptungen, die ohne jede wissenschaftliche Sorgfalt in den Raum gestellt wurden“, erläutert Dr. Klaus Brüggemann, Präsidiumsmitglied des Verbandes der TÜV e.V.

Nutzlose Grenzwerte

Die Haltung der Parlamentsmehrheit steht im deutlichen Widerspruch zu den eigenen Absichtserklärungen einer grundlegenden Verbesserung der Spielzeugsicherheit. Auch in Deutschland hatten Bundestag, Bundesrat und namhafte Politiker zur Verbesserung der Spielzeugsicherheit mehr neutrale Drittprüfungen gefordert. „Es herrscht in Deutschland ein breiter Konsens darüber, dass die schärfsten Grenzwerte nichts nützen, wenn ihre Einhaltung nicht von einem neutralen Dritten überprüft wird“, so Dr. Brüggemann.

USA fortschrittlicher

Nicht nachvollziehbar für Verbraucher ist die Tatsache, dass Europa mit der neuen Spielzeugrichtlinie weit hinter das Sicherheitsniveau der USA zurückfällt. Dort wird momentan ein System neutraler Drittprüfungen für Spielzeug ausgebaut. „Neutrale Drittprüfungen schützen Verbraucher vor unsicheren Produkten, bevor diese auf den Markt gelangen“, erläutert Dr. Brüggemann. In Europa will man sich künftig auf nachgelagerte Kontrollen der Marktaufsicht verlassen. Dadurch werden die Kosten für die Sicherheit vom Hersteller auf die Steuerzahler abgewälzt.