Nutzfahrzeuge und Busse: TÜV sorgt für Sicherheit

Das Sicherheitsniveau von Nutzfahrzeugen und Bussen in Deutschland ist hoch. Dafür sorgt das System der unabhängigen und neutralen Hauptuntersuchung (HU). Dabei stellen die Experten große Unterschiede bei der Mängelhäufigkeit zwischen den einzelnen Gewichtsklassen sowie zwischen Nutzfahrzeugen und Bussen fest. Besonders mängelanfällig sind demnach leichte Nutzfahrzeuge und Transporter bis 7,5 Tonnen. Trotz wesentlich höherer Laufleistungen werden bei den schweren Lkw weniger Sicherheitsmängel festgestellt. Am besten schneiden Reise- und Linienbusse ab. Dies ist das Ergebnis der TÜV Nutzfahrzeug- und Busreporte, die heute in Berlin vorgestellt wurden.
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TÜV Reporte Busse und Nutzfahrzeuge 2013

Nutzfahrzeuge: je besser die Wartung desto weniger Mängel bei der HU

Insbesondere Transporter bis 7,5 Tonnen fallen bei der Hauptuntersuchung (HU) durch hohe Mängelquoten auf. Nach zwei Jahren bestehen 14,2 Prozent der Fahrzeuge die HU nicht im ersten Anlauf, nach fünf Jahren sind es 24,6 Prozent. Etwas besser sieht es bei den Kleintransportern bis 3,5 Tonnen aus. Hier stellten die TÜV-Experten an 10,8 Prozent der Fahrzeuge nach zwei Jahren erhebliche Mängel fest. Nach fünf Jahren müssen bereits 20,7 Prozent dieser Minivans zuerst in die Werkstatt, bevor sie die HU-Plakette erhalten.

Eine Ursache der hohen Mängelquoten bei leichteren Nutzfahrzeugen ist mangelnde Wartung. „Rund 40 Prozent der zehnjährigen Transporter zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen bestehen wegen erheblicher Mängel die HU nicht“, erläutert Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VdTÜV. „Berücksichtigt man die hohen Geschwindigkeiten, die ein Transporter erreichen kann, sind hier besonders die hohen Mängelquoten an Beleuchtung und Bremsen ein Sicherheitsrisiko.“

Verglichen mit den Transportern sind Lkw über 7,5 Tonnen in einem besseren Zustand. An Fahrzeugen zwischen 7,5 und 18 Tonnen stellen die TÜV-Experten nach zwei Jahren in 10,6 Prozent der Hauptuntersuchungen erhebliche Mängel fest, nach fünf Jahren sind es 18,0 Prozent. Lkw über 18 Tonnen weisen nach einem Jahr 11,8 Prozent erhebliche Mängel auf, nach fünf Jahren 19,5 Prozent. „Obwohl diese schweren Nutzfahrzeuge nach fünf Jahren eine viermal höhere Laufleistung haben als die Transporter, ist ihre Mängelquote wesentlich geringer“, stellt Dr. Brüggemann fest. „Im Fernverkehr müssen Nutzfahrzeuge zuverlässig verfügbar sein, weshalb sie meist präventiv gewartet werden.“

Über die Hälfte der Busse bei der HU mängelfrei

Reise- und Linienbusse gehören statistisch betrachtet zu den sichersten Verkehrsmitteln. Das hohe Sicherheitsniveau schlägt sich auch auf die Ergebnisse bei der Hauptuntersuchung nieder: So war über die Hälfte (57,7 Prozent) aller geprüften Busse mängelfrei. Nach zwei Jahren mussten an 8,2 Prozent der geprüften Reise- und Linienbusse erhebliche Mängel beseitigt werden, bevor eine Plakette erteilt werden konnte. Nach fünf Jahren waren es 12,7 Prozent. Allerdings haben die älteren Busse höhere Mängelquoten. So fallen 17,3 Prozent der zehnjährigen Busse durch die HU, bei den Zwanzigjährigen ist es mit 29,0 Prozent fast ein Drittel. Betrachtet man alle geprüften Busse, so hatten 16,4 Prozent erhebliche Mängel, geringe Mängel wiesen 25,7 Prozent auf. Erfreulich ist, dass die Quote der Busse, die als verkehrsunsicher stillgelegt werden müssen, mit 0,1 Prozent äußerst gering ist. „Da Busse in Deutschland jährlich 5,5 Milliarden Passagiere befördern, muss die Sicherheit an erster Stelle stehen“, so Dr. Brüggemann, „jeder Bus, der mit technischen Mängeln am Straßenverkehr teilnimmt, ist einer zu viel“.

Schwachpunkt Beleuchtung

Besonders häufig stellen die TÜV-Experten bei der Hauptuntersuchung Mängel an der Beleuchtung fest. So fällt über ein Viertel (27,9 Prozent) der fünf Jahre alten Transporter bis 7,5 Tonnen mit Beleuchtungsmängeln auf. Bei zehn Jahre alten Transportern steigt diese Quote auf bis zu 40 Prozent an. Auch bei Reise- und Linienbussen ist das ein kritisches Thema: Insgesamt sind fast 20 Prozent von Beleuchtungsmängeln betroffen. „Die Abfahrtkontrolle ist gesetzlich vorgeschrieben, findet aber anscheinend nicht ausreichend statt“, erläutert Dr. Brüggemann. „Beleuchtungsmängel können hier sofort festgestellt und meistens auch beseitigt werden.“ Vor allem bei Bussen spielt die Abfahrtskontrolle eine große Rolle für die Sicherheit der Fahrgäste, weil dadurch auch Mängel an den Sicherheitseinrichtungen für die Fahrgäste erkannt werden können.

Mängel an den Bremsanlagen, am Antriebsstrang sowie an Karosserie und Fahrwerk weisen bei den jüngeren Nutzfahrzeugen nur geringe Quoten auf. Erst mit zunehmendem Alter kommen die Probleme: So können bei Transportern bis 7,5 Tonnen nach zehn Jahren bereits an über 40 Prozent Mängel an der Bremsanlage festgestellt werden. „Angesichts der hohen Geschwindigkeiten, mit denen Transporter gefahren werden, ist das Besorgnis erregend“, so Dr. Brüggemann. Bei Bussen ergibt sich ein ähnliches Bild: Hier nehmen etwa ab dem  zehnten Jahr Korrosionsprobleme zu, nach 20 Jahren fallen 17,1 Prozent durch Rost auf. Sicherheitstechnisch bedenklich ist, dass 8,3 Prozent der zwanzigjährigen Busse Probleme mit der Bremswirkung haben.

Hohe Prüfdichte bei Bussen und schweren Lkw

Die Mängelstatistiken für Nutzfahrzeuge und Busse belegen die Bedeutung der Hauptuntersuchung durch unabhängige und neutrale Prüforganisationen. „Die Verantwortung für die Sicherheit liegt beim Halter, dennoch treten an diesen Fahrzeugen Mängel auf, die Fahrgäste und Verkehrsteilnehmer gefährden können“, erläutert Dr. Brüggemann. Geprüft werden im Rahmen der HU Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen erstmals nach 24 Monaten und danach im zweijährigen Rhythmus. Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen erstmalig nach 12 Monaten zur HU und danach jährlich. Zusätzlich zur jährlichen HU schreibt der Gesetzgeber allen älteren Fahrzeugen ab 7,5 Tonnen sechs Monate nach jeder HU eine zusätzliche Sicherheitsprüfung vor, die nur einen Teil der HU-Prüfpunkte umfasst. Die höchste Prüfdichte haben Reise- und Linienbusse: Neben der jährlichen HU müssen sie bereits nach dem dritten Jahr alle drei Monate zu einer Sicherheitsprüfung.

Auch in die Fahrerqualifikation investieren

Fuhrparkbetreiber und Busunternehmen sollten aber nicht nur in die technische Sicherheit ihrer Fahrzeuge investieren. „Entscheidend sind auch ein funktionierendes Qualitätsmanagement in den Unternehmen und eine optimale Qualifikation der Fahrer“, erläutert Dr. Brüggemann. „So ist es gerade bei längeren Strecken absolut sicherheitsrelevant, ob die jeweiligen gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten eingehalten werden.“

Der TÜV Report Nutzfahrzeuge und der TÜV Bus-Report werden vom VdTÜV herausgegeben und erscheinen am 26.09.2013 im Verlag Heinrich Vogel (München).