Bundesinstitut warnt vor Gefahren im Kinderspielzeug

Ziemlich genau ein Jahr nach der Verabschiedung der EU-Spielzeugrichtlinie bleibt die Sicherheit von Kinderspielzeug ein Thema. Nun wies das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darauf hin, dass in vielen Spielzeugen hohe Konzentrationen von krebserregenden Chemikalien zu finden sind.
Blei in Kinderhänden: EU-Kommission sieht nun doch Handlungsbedarf (Bild: Fotolia)
Blei in Kinderhänden: EU-Kommission sieht nun doch Handlungsbedarf (Bild: Fotolia)

Das BfR veröffentlichte im Oktober eine Stellungsnahme zur Chemikalien-Belastung in Kinderspielzeug. Darin warnt das Institut vor hohen Konzentrationen gefährlicher Stoffe, so genannter CMR. Der Begriff beschreibt Stoffe, die krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend sind. Das BfR forderte deutlich strengere Grenzwerte für solche Stoffe insbesondere bei Spielzeug. In dem Bericht des Bundesamtes heißt es: "Es besteht dringender Handlungsbedarf, die Exposition von Kindern gegenüber CMR-Stoffen über alle Quellen im Sinne des Gesundheitsschutzes zu minimieren." Die neue EU-Spielzeugrichtlinie ist daher vollkommen unzureichend, um Kinder genügend zu schützen.

Erschreckende Testergebnisse

Auch das Magazin Öko-Test weist, pünktlich zu Weihnachten, in seinem aktuellen Heft auf erschreckende Testergebnisse hin: Ein Drittel aller getesteten Spielzeuge wies deutlich zu hohe Schadstoffwerte auf. Dabei handelt es sich laut Öko-Test vor allem um Chrom, Blei, Cadmium und Halogene.

Grenzwerte für Autoreifen sind strenger

Das BfR hatte in seinem Befund aufgedeckt, dass in Spielzeugen, die in der EU verkauft werden, sehr große Mengen an krebserregenden polyzyklischen Kohlenwasserstoffen (PAK) zu finden sind. Die im Dezember 2008 verabschiedete EU-Spielzeugrichtlinie lässt teilweise eine um 1000-mal höhe Konzentration an krebserregenden Stoffen zu als zum Beispiel in Autoreifen. Die Grenzwerte für Blei wurden in der neuen Spielzeugrichtlinie gar erhöht. Pro Kiliogramm Spielzeug dürfen nun 160 Milligramm Blei enthalten sein - das ist dreimal so viel wie in Blumenerde.

Drittprüfung steht nicht in der Richtlinie

Ein wesentlicher Schritt zu mehr Sicherheit von Kinderspielzeug wäre die verpflichtende Einführung einer unabhängigen Drittprüfung gewesen. Anfangs forderten auch die meisten Fraktionen eine solche Regelungen, wichen aber im Laufe des Legislativ-Prozesses davon ab. Die unabhängige Drittprüfung bleibt somit ein freiwilliger Prozess. Verbraucher können sie am GS-Zeichen erkennen. Für die Vergabe herrschen deutlich strengere Regeln für den Chemikalien-Gehalt bei Spielzeugen.

Bundesministerin will dran bleiben

Die Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU), will sich für eine Herabsetzung der Grenzwerte einsetzen. "Wir werden weiterhin Druck erzeugen, damit diese Grenzwerte noch mal verändert werden", kündigte Aigner an. Sie ergänzte: "Falls es ganz schwierig wird, werden wir uns auch Schutzmechanismen überlegen."

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