Ältere Fahrer sind besser als ihr Ruf - Mit freiwilligen Checks die Fahrtüchtigkeit bis ins hohe Alter erhalten

Immer wieder wird der Ruf nach verpflichtenden Fahreignungs-Überprüfungen für Senioren laut. Die Verkehrssicherheitsexperten des VdTÜV halten das für voreilig. Die freiwillige Teilnahme an solchen Tests kann aber durchaus Sinn machen - nicht nur für Ältere.
Senioren sind nicht pauschal schlechtere Autofahrer als jüngere Verkehrsteilnehmer. (Foto: Monkey Business/Fotolia)
Die Verkehrsteilnehmer in der EU werden immer älter. Ein Abgeordneter informiert sich nun, wie die Kommission die unterschiedlichen Fahrerlaubnisregeln für ältere Menschen harmonisieren will. (Foto: Monkey Business/Fotolia)

Senioren sind nicht pauschal schlechtere Autofahrer als jüngere Verkehrsteilnehmer. Darauf weisen die Verkehrsexperten des VdTÜV anlässlich des „Internationalen Tages der älteren Menschen“ am 1. Oktober 2009 hin. Der VdTÜV warnt vor pauschalen und voreiligen Forderungen, ältere Autofahrer zu einer regelmäßigen Überprüfung ihrer Fahreignung zu verpflichten.

Der Tipp: freiwillige Tests

Stattdessen empfehlen die Verkehrsexperten, an freiwilligen Checks bei Verkehrspsychologen teilzunehmen. Hier können Senioren - und natürlich auch jüngere Autofahrer - beurteilen lassen, ob sie geistig und körperlich fit genug sind, um sicher am immer komplexeren Verkehrsgeschehen teilzunehmen. Freiwillige Checks werden von TÜV SÜD, TÜV NORD, TÜV Rheinland, TÜV Thüringen, TÜV Hessen und DEKRA angeboten.

Mobilität wichtig für Senioren

Die Mobilitätsbedürfnisse von älteren Menschen werden immer größer. Die Teilnahme am mobilen Leben ist für Senioren wichtig und bedeutet für sie ein Stück Lebensqualität. Kommt es aber zu Unfällen, wird schnell der Ruf nach verpflichtenden Überprüfungen der Fahreignung bei den älteren Fahrern laut. „Die Senioren sind aber nicht pauschal eine Risikogruppe. Viel größere Sorgen bereiten uns die jungen Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren. Ihr Risiko für eine Unfallbeteiligung ist bis zu sechs Mal höher als bei den über 65-Jährigen“, erklärt Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VdTÜV. Zudem verläuft bei jedem Menschen der Alterungsprozess unterschiedlich. Die Festlegung einer Altersgrenze, ab welcher eine verpflichtende Eignungsprüfung stattfinden sollte, ist daher höchst problematisch.

Ältere Verkehrsteilnehmer verfügen über große Erfahrung

„Natürlich haben manche ältere Verkehrsteilnehmer Defizite. Das können die Sinneswahrnehmung, die Beweglichkeit oder die Informationsverarbeitung sein“, betont Dr. Brüggemann, „deshalb sollten Senioren freiwillig an Überprüfungen ihrer Fahreignung teilnehmen.“ Ältere Verkehrsteilnehmer verfügen aber auch über Vorteile gegenüber den Jüngeren: Sie haben die größere Erfahrung im Straßenverkehr, fahren umsichtiger und können Stress besser vermeiden.

Vertrauliches Beratungsgespräch

Freiwillige Checks richten sich an Verkehrsteilnehmer jeden Alters und werden von spezialisierten Verkehrspsychologen angeboten. Sie unterliegen der Schweigepflicht und sind zur absoluten Vertraulichkeit verpflichtet. Die Ergebnisse werden ausschließlich dem Teilnehmer in einem umfassenden Beratungsgespräch mitgeteilt. Dadurch kann der Teilnehmer seine Fähigkeit zur Selbsteinschätzung verbessern und erhält individuell wichtige Empfehlungen zum sicheren Verhalten im Straßenverkehr. Weitere Auskünfte erteilen gerne TÜV SÜD, TÜV NORD, TÜV Rheinland, TÜV Thüringen, TÜV Hessen und DEKRA.

Was sollten ältere Verkehrsteilnehmer besonders beachten?

Tipps für die Fahrtenplanung:

> Nur ausgeruht fahren- Pausen einlegen

> Fahrten bei Dämmerung/Nacht möglichst vermeiden und das Sehvermögen regelmäßig kontrollieren lassen

> Bei Krankheit oder reduziertem Gesundheitszustand: Hausarzt nach Fahrtauglichkeit fragen oder an einem Fitness-Check teilnehmen

> Bei Einnahme von Medikamenten: Genaue Information vom Arzt einholen / Beipackzettel lesen

> Besondere Vorsicht nach Alkoholkonsum (auch kleinere Mengen)!

> Überforderungen vermeiden – Fahrt planen

> Eigenes Fahrverhalten selbstkritisch beobachten

Tipps für die Autowahl:

> Hohe Sitzposition: Idealerweise ist der Sitz genau auf Höhe der Hüfte, wenn man neben dem Auto steht. Sehr zu empfehlen, aber selten sind schwenkbare Sitze, die das Ein- und Aussteigen zu-sätzlich erleichtern.

> Komfort: Von Servolenkung bis Klimaanlage, Sound-System und Navigationsgerät. Der VdTÜV empfiehlt, auf möglichst einfache und verständliche Bedienbarkeit zu achten, die nicht vom Verkehrsgeschehen ablenkt

> Assistenz: ABS, ESP, Distanzmelder, Parksensoren oder Nachtsicht-Einrichtungen erleichtern genaue Manöver mit den Autos.

Ansprechpartner

Referent Fahrerlaubnis, Bildung und Personalentwicklung, Begutachtung und Förderung der Fahreignung
T +49 30 760095-480