Fahrzeugtypgenehmigung

Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes in Europa müssen die Instrumente und Verfahren für das Inverkehrbringen von Fahrzeugen wirksam, transparent und klar bestimmt sein, sowie einheitliche Anwendung finden.
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© TÜV SÜD AG

Um Fahrzeuge erstmalig für den Verkehr zulassen zu können, benötigt der Fahrzeughersteller (OEM) eine Typgenehmigung. Diese wird von den europäischen Typgenehmigungsbehörden, in Deutschland: das Kraftfahrbundesamt (KBA), erteilt. Für die Erlangung einer solchen Genehmigung bedarf es zahlreicher europäisch-harmonisierter Prüfungen aller Fahrzeugbestandteile, die der OEM zusammen mit den Technischen Diensten der TÜV-Gesellschaften erbringt und zur Genehmigung einreicht.

Der am 27. Januar 2016 veröffentlichte Verordnungsvorschlag der Euro­päischen Kommission zur Überarbeitung der Fahrzeugtypgenehmigung soll den geltenden euro­päischen Rechtsrahmen stärken und konsequent weiterentwickeln. Das zukünftige Typgenehmigungsverfahren muss effizient sein und sicherstellen, dass alle in Verkehr gebrachten Fahrzeuge den rechtlichen und normativen Anforderungen entsprechen. Der VdTÜV hat hierzu Stellung bezogen und in einer aktuellen Position Änderungsvorschläge aufgezeigt. Mit diesen Anpassungen kann die neue Verordnung einen signifikanten Beitrag zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Typgenehmigungsverfahrens sowie der Marktüberwachung und damit zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes in Europa leis­ten. Zudem wird hierdurch die Funktionsfähigkeit des Binnenmarktes für Fahrzeuge und die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie in Europa gestärkt.

Positionen

Gemeinsame Position: Vehicle and Road Safety – Neue Ansätze für Fahrzeug- und Straßenverkehrssicherheit

VdTÜV und DEKRA begrüßen den Verordnungsvorschlag der EU-Kommission über die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern (COM 2018) 286 final vom 17. Mai 2018. Die Reform soll die Verkehrssicherheit erhöhen sowie die Zahl der Unfalltoten und -verletzten reduzieren. Der Verordnungsentwurf schlägt hierzu weitreichende Verbesserungen im Bereich der aktiven und passiven Sicherheit vor. Aus Sicht des VdTÜV und DEKRA müssen die Verfahren für das Inverkehrbringen und die Anforderungen von Fahrzeugen wirksam, transparent und klar bestimmt sein.

VdTÜV-Position: Geräuschemissionen von Fahrzeugen

Bei der Typgenehmigung muss der Fahrzeughersteller nachweisen, dass sein Fahrzeug bestimmte Lärmpegel nicht überschreitet. Die Höhe dieser Lärmpegel für das fahrende Fahrzeug beschreiben international harmonisierte Regelwerke. Für das stehende, in Betrieb befindliche Fahrzeug sind lediglich Messverfahren definiert – Grenzwerte sind jedoch derzeit nicht gesetzt. Für die Ermittlung der Fahrgeräusche muss auf einer normierten Teststrecke ein definierter Prüfablauf durchfahren werden. Dabei müssen alle gemessenen Lärmpegel der zugrunde gelegten Vorschrift entsprechen. Den grundsätzlichen Vorgaben des §30 Abs. 1, Nr. 1 der StVZO folgend, stehen wir als VdTÜV dafür ein, dass die Belastung der Umwelt – und damit der betroffenen Bürger – auf das tatsächlich unvermeidbare Maß zu beschränken ist.

Gemeinsame Position zum Brexit: Folgen für Strassen- und Schienenverkehr

Im Vorfeld der Tagung des Europäischen Rates vor zwei Wochen haben der TÜV-Verband gemeinsam mit DEKRA den Status und die rechtlichen Folgen eines Brexit für die Typgenehmigung von neuen Fahrzeugen und die Gültigkeit von Zertifikaten im Bereich Eisenbahn analysiert und Vorschläge für eine gemeinsame Vereinbarung zwischen UK und EU-27 veröffentlicht.

Aktuelles

Richard Goebelt im Interview bei EURACTIV: „Das Dritte Mobilitätspaket ist auf der Höhe der Zeit“

EURACTIV sprach mit Richard Goebelt, Leiter des Geschäftsbereiches „Fahrzeug und Mobilität“ über die Maßnahmen und Sicherheitsregeln der EU-Kommission, für die Zukunft der Mobilität, das sogenannte 3. Mobilitätspaket der EU-Kommission, inklusive der General Safety Regulation. Da der Verkehrssektor in eine Phase der Digitalisierung und Automatisierung eingetreten ist, muss das Regelwerk angepasst werden. Auch neue Sicherheitsregeln spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Tachomanipulationen in der EU verhindern

Ab dem 1. September 2017 müssen alle neu zugelassenen Pkw „systematisch“ gegen Tachomanipulationen geschützt sein. Ein Zurückdrehen des Tachos soll danach nicht mehr so einfach möglich sein. Damit erfüllt der EU-Gesetzgeber eine langjährige Forderung des VdTÜV. Offen bleibt allerdings, wie der Schutz technisch in den Fahrzeugen umgesetzt werden soll.

Brexit: UK kann keine EU-Typgenehmigungen mehr erteilen

Der EU-Gipfel am 15. Dezember 2017 hat die zweite Phase der Brexit-Verhandlungen eingeläutet. Die EU-Kommission hat Anfang Februar nun für zahlreiche Wirtschaftssektoren praktische und rechtliche Hinweise zu den Konsequenzen eines möglichen Brexit veröffentlicht. Bis Herbst 2018 soll ein Vertrag über den Austritt Großbritanniens aus der EU unter Dach und Fach gebracht werden – falls die Briten nicht doch noch Abstand von ihrer ursprünglichen Brexit-Entscheidung nehmen.