Drogen im Straßenverkehr: Gefahren sind oft unterschätzt

Der VdTÜV beschäftigt sich intensiv mit verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen Fragestellungen. Eine Rolle spielten diese Themen auch auf dem 4. Sachverständigentag im vergangenen März. Deutlich wurde, dass Drogen im Straßenverkehr große Gefahren bergen.
Nebenwirkungen von Medikamenten gefährden Autofahrer (Bild: Fotolia)
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Die Zahl der Fahrer, die unter Drogeneinfluss stehen, steigt stetig an. Mit dem Problem befasste sich auch der 4. VdTÜV-Sachverständigentag im vergangenen März. Dabei sprachen sich die Fachleute für eine psychologische Intervention aus, die möglichst frühzeitig für die Gruppe der drogenauffälligen Fahrer angesetzt werden soll.

Erschreckende Zahlen

Die Zahlen der erstauffälligen Drogenkonsumenten im Straßenverkehr stieg im Jahr 2008 um 8 Prozent bezogen auf das Vorjahr. Während die Zahl der Verkehrsunfälle von 1997 bis 2006 bundesweit um 12 Prozent abgenommen hat, stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der drogenbedingten Unfälle um 125 Prozent. Leider spielt hierbei die Gruppe der jungen Fahrer eine nicht unerhebliche Rolle.

Vier Punkte

Wer ein Kraftfahrzeug unter der Wirkung eines berauschenden Mittels im Straßenverkehr führt, handelt gemäß § 24a des Straßenverkehrsgesetzes ordnungswidrig. Für junge Fahrer in der Probezeit folgt daraus zunächst die verpflichtende Teilnahme an einem Aufbauseminar. Eine Auffälligkeit im Straßenverkehr unter Drogeneinfluss hat Folgen: das Verkehrszentralregister wird mit vier Punkten belastet, dazu eine Geldstrafe verhängt und ein Fahrverbot erlassen. Nach der dritten Auffälligkeit wird der Führerschein entzogen.

Ärztliches Gutachten

In der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) fordert der Paragraph 14 ein ärztliches Gutachten nach bewiesener Abhängigkeit und Einnahme von Betäubungsmitteln oder anderen psychoaktiv wirkenden Stoffen. Ein medizinisch-psychologisches Gutachten (MPU) wird verlangt, wenn der Führerschein in Folge einer Drogenauffälligkeit entzogen war. Eine MPU nach der Fahrerlaubnisverordnung zur Rehabilitation haben im Jahr 2008 etwa 100.000 Personen absolviert, davon etwa 18.000 wegen Drogenauffälligkeiten. Die MPU macht deutlich, ob der auffällig gewordene Fahrer sein Verhalten geändert hat. Die Teilnehmer haben somit die Chance, zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung mit Aussicht auf ein dauerhaft drogenfreies Leben zu gelangen. Zudem schützt die MPU auch die übrigen Verkehrsteilnehmer: Sie identifiziert auch diejenigen, die ihr Fehlverhlaten nicht erkennen und ändern.

MPU bietet Möglichkeit der Rehabilitation

Die Einführung eines EU-weiten Rehabilitationssystems nach dem Vorbild der MPU ist nach Ansicht des VdTÜV ein wesentlicher Baustein im Bereich der Straßenverkehrssicherheit in Europa. Außerdem ist es für die Sicherheit im europäischen Straßenverkehr unverzichtbar, durch einheitliche Punktesysteme mit Auswirkungen auf den Besitz der Fahrerlaubnis, auffällige Fahrer systematisch zu identifizieren. Der VdTÜV geht davon aus, dass nur so die Möglichkeit besteht, bei wiederholtem Fehlverhalten oder besonders schweren Verstößen nachhaltig auf auffällige Verkehrsteilnehmer einzuwirken und durch gezielte Rehabilitationsmaßnahmen eine verantwortungsvolle Wiedereingliederung in die mobile Gesellschaft zu gewährleisten.

Fakten und Infos zum Thema Drogen

Der Konsum von illegalen Drogen in Deutschland (Zahlen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen):

> 2.400.000 Menschen konsumieren Cannabis

> 645.000 Menschen nehmen andere illegale Drogen

> 600.000 Menschen sind wegen cannabisbezogener Störungen behandlungsbedürftig

> 1.449 Menschen starben im Jahr 2008 direkt infolge von Drogeneinnahmen, seit 2006 steigt diese Zahl wieder an

Drogen im Straßenverkehr

Dass Drogen im Straßenverkehr große Gefahren bergen, wird deutlich, wenn man einen Blick darauf richtet, wie sie wirken:

> Cannabis: Verlängerung der Reaktions- und Entscheidungszeit, Einschränkung der Konzentrationsfähigkeit, Verschlechterung der Sehfunktionen, Störungen der Bewegungskoordination

> Amphetamine: Enthemmte und risikobereite Fahrweise mit hoher Geschwindigkeit und Überschätzung des Leistungsvermögens, später extremer Leistungsabfall und Müdigkeit

> Kokain: Enthemmte und risikobereite Fahrweise, Fahrigkeit, mangelnde Aufmerksamkeit, Nervosität, erhöhte Blendempfindlichkeit, später körperliche Erschöpfung, häufig Verfolgungswahn

> Opiate: zentrale Dämpfung, Schläfrigkeit mit langsamer, unsicherer Fahrweise, Abkommen von der Fahrspur, Auffahrunfälle

VdTÜV bietet Plattform für Experten

Das Thema Drogen im Straßenverkeht und weitere Fragestellungen der Verkehrsmedizin und Verkehrspsychologie werden den VdTÜV auch weiterhin beschäftigen. Der Verband will aktiv dabei helfen, die Zahl der Verkehrstoten in Europa zu senken. Mit den Themen werden sich die Fachleute auch auf dem 5. Fit to Drive-Kongress beschäftigen, den der VdTÜV am 7. und 8. April 2011 in Den Haag in den Niederlanden veranstaltet.

Ansprechpartner

Referent Fahrerlaubnis, Bildung und Personalentwicklung, Begutachtung und Förderung der Fahreignung
T +49 30 760095-480