VdTÜV und VDE bieten Plattform für Diskussionsrunde zur Elektromobilität

Europa will bei der Elektromobilität Leitmarkt und auch Leitanbieter werden. Doch was ist dafür nötig, welche technischen, rechtlichen und politischen Schritte erforderlich? Das diskutierten auf VdTÜV- und VDE-Einladung nun Fachleute und Interessierte in Brüssel.
In Brüssel diskutierten Fachleute auf Einladung von VdTÜV und VDE zum Thema Elektromobilität. (Foto: Horst Wagner/eup-images)
In Brüssel diskutierten Fachleute auf Einladung von VdTÜV und VDE zum Thema Elektromobilität. (Foto: Horst Wagner/eup-images)

Die Verbände der neutralen Prüfdienstleister – Verband der TÜV e.V. & VDE e.V. – haben am 17. Mai 2011 in Brüssel gemeinsam mit der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union eine Diskussionsrunde mit dem Titel „eMobility 2020 – Wird Europa Leitmarkt und Leitanbieter? Case-Study Deutschland“ organisiert. Auf der Veranstaltung konnten sich über 120 Vertreter aus Kommission und Parlament, Wirtschaft und interessierter Öffentlichkeit über den zweiten Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) informieren. Diesen hatten Vertreter der Plattform am Vortag an Bundeskanzlerin Merkel übergeben.

Immer den europäischen Rahmen im Blick

Der Co-Redakteur des Berichts, Martin David Ledwon von der Siemens AG, machte zu Beginn der Diskussionsrunde deutlich, dass die Ergebnisse der NPE eine konkrete Arbeitsgrundlage für eine gemeinsame europäische Strategie für Elektromobilität schaffen sollen. In einem stark exportorientierten Markt komme es darauf an, lenkungsfähige Partnerschaften und Kooperationen mit anderen Staaten und Regionen zu begründen, sowie die internationale Zusammenarbeit im Bereich Normung und Standardisierung zu stärken. Als wesentliche Aufgabenfelder nannte Ledwon die Bereiche Forschung und Entwicklung im Batteriemanagement, Verbesserung der Speicherkomponenten sowie die akademische und berufliche Ausbildung.

Wettbewerb ist treibende Kraft

Der Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, Dr. Hartmut Kühne, machte deutlich, dass der Wettbewerb der beste Treiber für die weitere Entwicklung und den Erfolg von Elektromobilität sei. Grundsätzlich verfolgt die Bundesregierung für den Verkehr der Zukunft einen technologieneutralen Ansatz, insofern wolle sie auch nicht in einern Subventionswettlauf einsteigen. Sie wolle den Erfolg der Elektromobilität in erster Linie durch Unterstützung von Forschung und Entwicklung vorantreiben. Dr. Kühne machte zudem deutlich, dass die Elektromobilität nur dann Sinn mache, wenn der benötigte Strom aus erneuerbaren Energiequellen stamme.

Dr. Hans Heinz Zimmer

Der VDE-Vorsitzende Dr. Hans Heinz Zimmer sprach sich für ein "Systemdenken" in der Elektromobilität aus. (Foto: Horst Wagner/eup-images)

Auch EU-Kommission will einheitliche Standards

Ein Ansatz, den auch Dr. Franz Xaver Söldner, stellv. Abteilungsleiter in der Generaldirektion Verkehr und Transport der Europäischen Kommission, unterstützte. Damit Rahmenbedingungen und Standards, zum Beispiel bei Mindestanforderungen an die Ladeinfrastruktur in der EU, schnell harmonisiert werden können, plädiert Söldner für die Einbindung aller Gruppierungen und Stakeholder auf dem europäischen Parkett. Die Kommission stehe darüber hinaus in einem ständigen Austausch mit China, Japan und den USA.

VDE-Chef Zimmer sieht noch Nachholbedarf

Der Vorstandsvorsitzende des VDE e.V., Dr. Hans Heinz Zimmer, verwies angesichts der subventionspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung auf kritische Töne gegenüber der NPE. Besondere ordnungspolitische Abschreibungsregeln für Elektroautos anzukündigen, scheine kaum mit der Systematik des deutschen Steuerrechts konform zu gehen. In Anbetracht der guten wirtschaftlichen Lage der deutschen Automobilindustrie sei es nicht unbedingt ersichtlich, weshalb die Bundesregierung mit einem milliardenschweren Programm die Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen unterstützen muss. Zimmer merkte an, dass Europa bisher völlig auf der weltweiten Plattform der Batterietechnologie fehle. Zudem bestehe nach wie vor ein aufzulösendes Spannungsfeld zwischen den Bestimmungen der Niederspannungsrichtlinie und den Sicherheitsvorkehrungen der UN-ECE. Zimmer sprach sich für ein "Systemdenken" von Elektrotechnik, Informationstechnik und Automobilindustrie aus. Es komme darauf an, „die Kräfte zu bündeln, in einzelnen Bereichen getrennt zu arbeiten und bei der Elektromobilität zusammen zu kämpfen.“

Sicherheit wird ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg

Der Verband der TÜV e.V. hatte sich seit Gründung der NPE im Mai 2010 mit seinem Sitz in der AG4 „Normung, Standardisierung, Zertifizierung“ am Arbeitsprozess beteiligt. Dr. Armin Pfoh, TÜV SÜD AG nimmt diesen Sitz als Stellvertreter des TÜV SÜD-Vorstandsvorsitzenden Dr. Axel Stepken wahr. Der für das Innovationsmanagement zuständige Dr. Pfoh hob vor allem die sicherheitsrelevanten Aspekte der Elektrofahrzeuge hervor. Eine zentrale Rolle spiele die Batteriekomponente, deren Verhalten im Crashfall durch entsprechende Prüfverfahren getestet wird. Als global operierender Konzern hat die TÜV SÜD AG hierzu im vergangenen Jahr ein internationales Batteriekompetenz-Team etabliert. Einen weiteren Schwerpunkt sieht Dr. Pfoh in Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen für u.a. Werkstattpersonal und Rettungskräfte. Zukunftsthemen seien das kabellose, induktive Laden der Elektrofahrzeuge, die Verbesserung von Schnellladesystemen für die Batterie und deren Nutzung als Energiespeicher außerhalb des Fahrzeugs.

Dr. Armin Pfoh

Dr. Armin Pfoh von TÜV SÜD hob die sicherheitsrelevanten Aspekte der Elektromobilität hervor. (Foto: Horst Wagner/eup-images)

Partner der Hersteller

Als Innovationsbegleiter helfen die TÜV, Sorgen und Ängste der Bürger gegenüber neuen Technologien abzubauen und tragen dadurch wesentlich zur Markteinführung bei. Die TÜV-Unternehmen sind die natürlichen Partner der Hersteller, da sie es ihnen mit ihrer Erfahrung und Expertise ermöglichen, innovative Produkte sicher zu machen und zügiger auf den Markt zu bringen - ein wesentlicher Faktor für den Erfolg auf den Weltmärkten. Die TÜV leisten damit einen wesentlichen Beitrag für die Verwirklichung einer europäischen Leitanbieterschaft. (Richard Goebelt/Jan Schepmann)

Ansprechpartner

Leiter des Geschäftsbereichs Fahrzeug und Mobilität
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