TÜV @ Amazon Academy „Menschen und Daten – Wieso es uns an Vielfalt mangelt“

Spielt Diversity im digitalen Zeitalter eine noch größere Rolle als im analogen Zeitalter? Wie können algorithmische Systeme dazu beitragen, die Chance auf eine diversere und fairere Personalpolitik zu erhöhen? Über diese Fragen haben wir beim TÜV® @ Amazon Academy „Innovation through Diversity“ am 26. September 2019 im Einstein Center diskutiert.
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©Henrik Andree

Warum gelingt es uns nicht, Vielfalt in der Praxis zu leben? Spielt Diversity im digitalen Zeitalter eine noch größere Rolle als im analogen Zeitalter? Wie können algorithmische Systeme dazu beitragen, die Chance auf eine diversere und fairere Personalpolitik zu erhöhen? Wie kann ethisches und diskriminierungsfreies Verhalten algorithmischer Systeme sichergestellt werden?

Über diese Fragen haben wir beim TÜV® @ Amazon Academy „Innovation through Diversity“ am 26. September 2019 im Einstein Center diskutiert. Antworten lieferten Elke Heitmüller, Head of Diversity bei Volkswagen, Professor Guido Baltes, Direktor des IST-Instituts für strategische Innovation & Technologiemanagement an der Hochschule Konstanz, Dana Goldhammer, Head of Innovation & Digitalization bei TÜV Rheinland, Doktor Janina Sundermeier, Juniorprofessorin für Digital Entrepreneurship und Diversität an der Freien Universität Berlin und Catriona McLaughlin, Inhaberin CM Consulting. Moderiert wurde die Diskussion von Doktor Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands.

Trotz des Wissens um die Bedeutung von Diversity wird Vielfalt noch immer nicht in Organisationen gelebt. Wiederholt wurde nachgewiesen, dass bestimmte Menschen auf dem Arbeitsmarkt strukturell diskriminiert werden. So entscheiden beispielsweise nicht etwa eine besonders hohe Problemlösungskompetenz oder logisches Denkvermögen darüber, ob jemand eingestellt wird oder nicht, vielmehr sind es Geschlecht, Herkunft und Gemeinsamkeiten in der Freizeitgestaltung, stellte Elke Heitmüller fest.

Durch den Einsatz digitaler Technologien kann und wird sich das Personalwesen in den nächsten Jahren verändern. Darüber waren sich die Diskutanten einig. Immer mehr Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sehen darin eine Chance: Algorithmen sollen helfen, passendere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden und Bewerbungsprozesse fairer zu gestalten. Denn Algorithmen sind in ihren Entscheidungen konsistent und neutral und können so menschliche Schwächen und Vorurteile ausgleichen – zumindest in der Theorie. Denn es besteht auch die Gefahr der Reproduktion von Stereotypen und menschlicher Voreingenommenheit durch entsprechende Trainingsdaten.

Wenn Algorithmen über menschliche Schicksale entscheiden, wird Programmierkunst politisch. Algorithmen müssen transparent, nachvollziehbar und beherrschbar sein. Es liegt auf der Hand, dass sich die TÜV-Unternehmen intensiv mit Algorithmen und künstlicher Intelligenz beschäftigen, so Dana Goldhammer. Das fängt bei den Daten an: Nur, wenn Algorithmen mit vielfältigen Daten gefüttert werden, führen sie zu unverzerrten Ergebnissen. Und nur wenn der Code nicht mehr von einer homogenen Gruppe, sondern einem vielfältigen Team entwickeln wird, können sogenannte Algorithmic Bias verhindert werden. Diversität ist daher kein Selbstzweck, sondern Grundlage für die Funktionsfähigkeit von Algorithmen – und für deren gesellschaftliche Legitimität.

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