So kommen Sie sicher ans Urlaubsziel

+++ Mit guter Vorbereitung kommen Urlauber mit dem Auto sicher ans Ziel +++ Fahrzeug-Check zum Selbermachen +++ Richtiges Beladen und smarte Routenplanung +++
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©Anja via Unsplash

Am Donnerstag haben in den ersten deutschen Bundesländern die Sommerferien und damit die Hauptreisezeit begonnen. Das Auto ist häufig das Transportmittel der Wahl, um ans Urlaubsziel zu gelangen. „Fahrzeugcheck, intelligente Routenplanung und Informationen über spezifische Verkehrsregelungen in den Transit- und Zielländern sind bei der Reisevorbereitung ein Muss“, sagt Richard Goebelt, Geschäftsbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität des TÜV-Verbands (VdTÜV). Außerdem sollten Reisende Gepäck sicher verstauen und bei langen Autofahrten auch auf sich selbst achten.

Fahrzeug-Check vor Fahrtantritt

„Um sicher ans Ziel zu kommen, sollte man vor Fahrtantritt einen kritischen Blick auf die wichtigsten Teile seines Autos werfen“, sagt Goebelt. Nicht immer muss dafür der Gang zum Experten gewählt werden. Goebelt: „Die Füllstände von Motorenöl, Kühlflüssigkeit und Scheibenwischwasser kann man leicht selbst überprüfen und bei Bedarf auffüllen.“ Es empfiehlt sich, eine Dose Motorenöl als Reserve dabei zu haben, weil der Ölverbrauch im Urlaub meist höher als im Alltag ist. Das Checken der Wischerblätter und der Funktionsfähigkeit der Beleuchtung vorab gewähren die gute Sicht während der Fahrt: „Scheinwerfer und Leuchten sollten unbedingt auf ihre Funktionsfähigkeit hin überprüft werden. Wer das nicht tut, riskiert die eigene Sicherheit und die anderer Verkehrsteilnehmer“, sagt Goebelt und weist auf drohende Bußgelder bei Verstößen hin.

Auch den Reifen des Autos sollte man sich widmen: Das Profil darf eine Mindesttiefe von 1,6 Millimetern nicht unterschreiten, je nach Entfernung des Urlaubslandes sollte ein entsprechender Puffer für den Abrieb einkalkuliert werden. Zudem ist der Verschleiß der Reifen bei höheren Temperaturen ungleich größer. Besonders wichtig ist das Überprüfen des Reifendrucks. Er beeinflusst nicht nur Fahrsicherheit und -komfort, sondern dient auch kraftstoffsparendem und nicht zuletzt umweltschonendem Fahren. Je mehr Last das Auto tragen muss, desto höher muss der Reifendruck sein, weil sonst eine Reifenpanne droht. Der für das Fahrzeug angemessene Wert des Reifendrucks steht entweder auf dem Etikett in der Tankklappe, an der B-Säule oder seltener im Rahmen der Fahrer- oder Beifahrerseite. Falls doch mal etwas schiefgeht, sollten Reserverad, ein Notrad oder ein Reparaturset zur Hand sein.

Wer sich unsicher ist oder keine Zeit mehr findet, das Auto selbst reisesicher zu machen, kann einen Urlaubs-Check in einer der deutschlandweit verfügbaren TÜV-Prüfstellen durchführen lassen oder eine Fachwerkstatt aufsuchen. Dort kann beispielsweise auch der Stand des Kältemittels für die Klimaanlage, der Zustand der Bremsflüssigkeit überprüft oder die Dachbox sach- und fachgerecht angebracht werden.

Vorsicht beim Beladen

„Auch das Gepäck muss sorgfältig verstaut werden. Es sollte nicht die Sicht des Fahrers einschränken oder bei abruptem Bremsen durch den Innenraum geschleudert werden“, rät Goebelt. Schwere oder sperrige Gegenstände im Kofferraum dafür weiter unten verstauen und so nah wie möglich an der Rückbank platzieren. Leichtere Gepäckstücke können darübergelegt werden, sollten aber möglichst wenig Bewegungsspielraum haben. Falls das Gepäck über die Rückbank in den Fahrerraum hinausragt oder die Rückbank umgeklappt wird, eignen sich auch Gepäcknetze oder Laderaumgitter, um die Ladung zu sichern. Zum Schluss das Gepäck am besten mit einer Plane abdecken und Spannguten fixieren. Goebelt: „Dabei sollte das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs aber niemals überschritten werden! Wie hoch dieses ist, steht im Fahrzeugschein.“ Apropos Gepäck: Warnweste, Warndreieck und Verbandskasten müssen laut StVZO in Deutschland immer – am besten griffbereit – mitgeführt werden.

Verkehr – überall anders geregelt

Dem Urlauber mögen die Verkehrsregeln auf deutschen Straßen bekannt sein, doch herrschen hinter der Landesgrenze häufig völlig andere Regeln. So gilt in Tschechien und Ungarn ein generelles Alkoholverbot für Autofahrer. In Frankreich muss neben Warnweste und -dreieck auch ein Alkoholtester mitgeführt werden. In Griechenland gelten Halteverbotsschilder mit einer senkrechten Linie an ungeraden und mit zwei Linien an geraden Kalendertagen und in Norwegen ist das Rauchen am Steuer prinzipiell verboten. In einigen Ländern wie Spanien wird schnellen Strafzahlern allerdings ein Rabatt von fünfzig Prozent auf das Bußgeld gewährt. Um durch unnötige Bußgelder kein tiefes Loch in die Urlaubskasse zu reißen, lohnt sich also der Blick vorab in die Regularia der Durchfahrtsländer und des Reiseziels. Einen guten Überblick über alle Verkehrssicherheitsvorschriften in den Mitgliedsstaaten der EU bietet die App „GoingAbroad“. Falls auf der Strecke ein Etappenstopp in einer Stadt geplant ist, zeigen entsprechende Apps außerdem Umweltzonen in allen EU-Ländern auf.

Smarte Routenplanung

Was früher der Blick auf den Straßenatlas war, ist heute die Zieleingabe ins Navigationssystem. Doch auch hier kann man mit rechtzeitiger Planung Kosten und Nerven sparen. Wenn während der Fahrt ein Navigationssystem genutzt wird, sollten alle Updates durchgeführt und alle Karten der Länder heruntergeladen sein, die auf der Fahrt in den Urlaub passiert werden. Falls lieber zur Smartphone-App gegriffen wird: Seit 2017 fallen im EU-Ausland grundsätzlich keine Roaming-Gebühren mehr an. Surfen kann man also auch im Urlaub prinzipiell ohne Mehrkosten. Allerdings steht einigen Mobilfunknutzern außerhalb Deutschlands nicht dasselbe Datenvolumen zur Verfügung wie im Inland. Hier kann es sich daher lohnen, bereits zuhause die entsprechenden Karten in den Apps für die Strecke herunterzuladen, um sie offline nutzen zu können. Vergleichs-Apps für Spritpreise wie „Clever tanken“, „mehr-tanken“ oder „1-2-3-tanken“ zeigen die günstigste Tankstelle in der Nähe an – das Herunterladen vor der Fahrt kann also bares Geld sparen.

Lange Autofahrten: Schlafentzug wirkt wie Alkohol

Genau wie das Auto muss auch der Fahrer fit sein für die lange Autofahrt. Nur ausgeruht mit genügend Schlaf sollte es losgehen, da Müdigkeit ähnlich auf Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit wirkt wie Alkoholkonsum. Während der Fahrt sollten regelmäßig – spätestens alle zwei Stunden – Pausen eingelegt werden. Entgegen landläufiger Meinungen schützen Kaffee und laute Musik nicht langfristig vor Sekundenschlaf. Das Mittel der Wahl bei aufkommender Müdigkeit ist die Fahrt auf den Rastplatz mit kurzem Power Nap oder ausreichender Bewegung. Dort lieber auf schwere Mahlzeiten verzichten und dafür an ausreichend Getränke und Snacks für die Fahrt denken.

Im Sommer stellt das Wetter außerdem ein gerne vergessenes Sicherheitsrisiko dar: Bei großer Hitze Ungeduld und Konzentrationsprobleme anderer Verkehrsteilnehmer einkalkulieren. Die Klimaanlage im Auto nicht zu niedrig einstellen. Eine Innenraumtemperatur von 21 bis 23 Grad Celsius ist zwar empfehlenswert, doch sollte der Unterschied zur Außentemperatur nicht mehr als sechs Grad betragen, da dies den Körper zusätzlich belastet. Am Vortag außerdem den Wetterbericht verfolgen: Bei Sommergewittern und Starkregen droht die Gefahr von Aquaplaning.