Schulbeginn: Wie Erstklässler sicher zur Schule kommen

+++ Eltern sollten Kinder auf die Gefahren im Straßenverkehr vorbereiten +++ Autofahrer müssen sich zum Schulbeginn auf unaufmerksame Kinder einstellen +++ Elektronischer Abbiegeassistent bei LKWs führt zu mehr Verkehrssicherheit
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In einigen Bundesländern enden die Ferien und der erste Schultag naht. Für die Erstklässler beginnt damit sprichwörtlich der Ernst des Lebens – auch im Straßenverkehr. Viele Kinder meistern den täglichen Weg zur Schule und zurück alleine. Damit die Kinder sicher am Ziel ankommen, sollten Eltern sie vor dem Schulbeginn auf die Gefahren im Straßenverkehr hinweisen und mit ihnen den Schulweg üben. Was zu beachten ist, erklärt der TÜV-Verband (VdTÜV).

Kinder verhalten sich anders im Straßenverkehr als Erwachsene, schätzen Risiken nicht richtig ein und sind unaufmerksamer. „Eltern sollten daher nicht vergessen, dass Schulanfänger auch Verkehrsanfänger sind. Sie müssen erst die Verkehrsregeln lernen und sich mit den Gefahren auf dem Schulweg vertraut machen“, erklärt Richard Goebelt, Bereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim VdTÜV.

Sichersten Schulweg üben

Steht der Schulbeginn an, sollten Eltern mit ihren Kindern den Schulweg gemeinsam ablaufen – egal, ob das Kind zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. „Werden die Kinder immer nur im Elterntaxi zur Schule gebracht, lernen sie nicht selbständig Gefahren im Straßenverkehr einzuschätzen. Zudem gefährden die Eltern andere Kinder, wenn sie in zweiter Spur an der Schule anhalten, um die Kinder rauszulassen. Die Erwachsenen tragen zur Unübersichtlichkeit im Straßenverkehr bei und leben den Kindern falsches Verhalten vor“, sagt Goebelt.

Eltern sollten daher den sichersten und nicht den kürzesten Schulweg mit den Kindern mehrmals ohne Auto üben. Kinder müssen lernen, sich doppelt zu konzentrieren: auf den richtigen Weg und auf den Straßenverkehr. „Es empfiehlt sich daher mit den Kindern den Schulweg so lange zu üben, bis sie zum Schulbeginn den Weg sicher beherrschen.

Alternativ können die Eltern auch in den ersten Unterrichtswochen die Kinder so lange zur Schule begleiten, bis sie die Strecke und mögliche Gefahrenquellen kennen“, rät Goebelt. Geübt werden sollte zu der Uhrzeit, zu der die Strecke auch im Alltag bewältigt werden muss.

Gut einsehbare Wege nutzen

Der Schulweg sollte so gewählt werden, dass das Überqueren von Straßen nur in gut einsehbaren Bereichen geschieht. Zwischen parkenden Autos die Straße zu passieren, kann für die Schulkinder zur Gefahr werden. Wenn möglich sollten immer Fußgängerüberwege bzw. Ampeln genutzt werden. Zudem müssen Kinder beim Überqueren einer Straße daran denken, dass dort gegebenenfalls auch ein Radweg ist.

Der Seit- und Schulterblick sollte beim Überqueren von Straßen immer beachten werden. Wichtig ist, dass die Erstklässler unterwegs niemals rennen, um noch über die Ampel zu kommen oder mit anderen Kindern oder Gegenständen unterwegs spielen. Es wird volle Aufmerksamkeit verlangt, um andere Verkehrsteilnehmer wahrzunehmen, die auf einen zukommen, auch am Zebrastreifen.

Richtige Kleidung tragen

Damit die Kleinen im Straßenverkehr und bei Dämmerlicht besser gesehen werden, sollten sie helle und mit Reflektoren versehene Kleidung in Signalfarben tragen. Gerade in Richtung Herbst, wenn es morgens noch dämmrig ist, kommt es auf die richtige Kleidung an. Kinder mit reflektierender Kleidung sind im Dunkeln schon auf eine Entfernung von 130 bis 160 Metern zu sehen.

Auch Autofahrer müssen sich auf Erstklässler einstellen

Kinder kennen meist die Verkehrsregeln nicht, bewegen sich unsicher, sind aufgedreht und können die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs nicht richtig einschätzen. Deshalb sollten Autofahrer in der Zeit von etwa 7.30 bis 12 Uhr ein besonders wachsames Auge auf Kinder haben, ihre Geschwindigkeit drosseln und immer bremsbereit sein.

Toter Winkel bei LKWs

LKW-Fahrer können aufgrund des toten Winkels kleine Kinder schlecht sehen. Immer wieder kommt es zu tragischen Unfällen. Abhilfe schafft der elektronische Abbiegeassistent, der aber bislang nur bei einigen LKWs vorhanden ist, da er gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. „Der Abbiegeassistent ist ein wichtiges Instrument, um Unfälle zu vermeiden. Daher hat das Bundesverkehrsministerium die Aktion Abbiegeassistent ins Leben gerufen, bei der sich Sicherheitspartner, wie der VdTÜV, engagieren, den Abbiegeassistenten weiter zu verbreiten. Dies ist eine wichtige Maßnahme, um die Zahl der Verkehrstoten weiter zu reduzieren. Die Koalition muss ihre Verpflichtungen aus dem Koalitionsvertrag zur Vision Zero ernst nehmen. Vor allem Radfahrer und Fußgänger müssen im Straßenverkehr besser geschützt werden“, so Goebelt.