Sachverständige fordern Verbesserungen bei der Diesel-AU

Die Abgasuntersuchung (AU) muss dringend dem Stand der Technik angepasst werden. Darüber sind sich die Experten auf dem 4. Sachverständigentag in Berlin einig. Zwei zentrale Aufgaben sehen die Fachleute: Anpassung der Prüfwerte und die Einführung neuer Messgeräte.
(Bild: Fotolia)
Die Abgasuntersuchung (AU) muss dem Stand der Technik angepasst werden. (Bild: Phototom/Fotolia)

Die Abgasuntersuchung (AU) für Dieselfahrzeuge muss dringend an den Stand der Technik angepasst werden, lautet eine zentrale Forderung des 4. VdTÜV-Sachverständigentages. Nur durch eine Anpassung der Prüfwerte und die Einführung geeigneter Messgeräte kann die AU weiterhin einen sinnvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten, so die Experten. Auf dem zweitägigen Kongress kommen rund 500 Sachverständige von TÜV NORD, TÜV Rheinland, TÜV SÜD, TÜV Thüringen und DEKRA zusammen, um Strategien für eine sichere und nachhaltige Mobilität in Europa zu entwickeln.

Grenzwerte für Typzulassung reduziert

Sorge bereiten den Sachverständigen die veralteten Rahmenbedingungen für die Abgasuntersuchung (AU) von Dieselfahrzeugen. Für die Typzulassung wurden seit der Einführung der AU durch die Euro-Abgasnormen die Grenzwerte für den Partikelausstoß drastisch reduziert. Waren es bei EURO 1 im Jahr 1993 180 mg/km, liegt der zulässige Grenzwert bei EURO 4 noch bei 25 mg/km und bei EURO 5 bei 5 mg/km. Diese geringen Konzentrationen können von den herkömmlichen Messgeräten nur noch unzureichend erfasst werden. „Man hat Grenzwerte definiert, die auch an die Grenzen der bisherigen Messverfahren stoßen“ erläutert Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VdTÜV.

Plakettenwert sollte als Prüfwert verwendet werden

Darüber hinaus wurden die Prüfwerte den Grenzwerten der Euro-Abgasnormen nur unzureichend angepasst. „Weil wir in Deutschland keine strengeren Vorschriften haben, müssen wir uns an den empfohlenen Prüfwert der entsprechenden EU-Richtlinie halten“, so Dr. Brüggemann. Die EU gibt einen Wert für die gemessene Abgastrübung von maximal 1,5 k vor – nach Meinung der Sachverständigen zu hoch. Jedem Fahrzeugtyp wird bereits heute ein so genannter Plakettenwert zugeordnet, der im Rahmen der Typge-nehmigung ermittelt wird. Er liegt meistens in einer Spanne zwischen 0,4 und 0,9 k. „Die Plakettenwerte sollten künftig als Prüfwerte im Rahmen der AU angewendet werden“, empfiehlt Dr. Brüggemann.

Ausstattung mit neuen Messgeräten erforderlich

Neben dieser Anpassung der Prüfwerte ist eine flächendeckende Ausstattung mit neuen Messgeräten erforderlich. Mit den bisher eingesetzten Opazimetern zur Messung der Lichttrübung lassen sich geringe Partikelkonzentrationen kaum noch erfassen. „Der untere Messbereich dieser Geräte endet dort, wo heutzutage eigentlich gemessen werden müsste.“ Deswegen wurde von der Arbeitsgruppe „Emission 2010“ (VdTÜV, DEKRA, ZDK und ASA-Verband) ein neues Gerät evaluiert, das auch die niedrigen Partikelmassenkonzentration der neuen EU-Normen im Abgas messen kann. Im Rahmen eines Feldversuches wurde nachgewiesen, dass die neuen Messgeräte für die AU bei Prüforganisationen und in Werkstätten tauglich sind. Sobald die Physikalisch Technische Bundesanstalt in Braunschweig (PTB) die Geräte abgenommen hat, können sie die herkömmlichen Opazimeter ablösen.

Messung am Endrohr weiterhin wichtig

Die 2006 eingeführte elektronische Datenauslesung an der OBD-Schnittstelle kann dabei die Messung am Endrohr nicht ersetzen. Das OBD-System kann zwar über Fehlfunktionen im Motormanagement Aufschluss geben, die sich auf das Abgasverhalten eines Fahrzeuges auswirken, die Einhaltung von Abgasgrenzwerten lässt sich über die OBD-Schnittstelle jedoch nicht messen. Besonders deutlich wird dies, wenn erhöhte Partikel-Emissionen auf schadhafte Partikelfilter zurückzuführen sind. Messungen haben ergeben, dass sich durch einen defekten Filter die Partikel-Emissionen bis auf das 50-fache erhöhen können, ohne dass der Prüfer über die OBD-Schnittstelle darauf einen Hinweis erhält.