Bei Hitze auf die richtige Kühlung in Arbeitsräumen achten

Kuehle Arbeitsraume
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Die aktuelle Hitzewelle mit Temperaturen über 30 Grad Celsius macht vielen Arbeitnehmer:innen zu schaffen – gerade vor dem Hintergrund der Schutzmaßnahmen infolge der Corona-Pandemie. „Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz ist notwendig, wenn der empfohlene Mindestabstand zwischen Personen nicht eingehalten werden kann. Das kann die Beschäftigten in heißen Räumen aber auf Dauer schwer belasten, vor allem, wenn sie körperlich arbeiten oder viel Kundenkontakt haben“, sagt André Siegl, Arbeitssicherheitsexperte beim TÜV-Verband (VdTÜV). „Generell sinken bei großer Hitze auf Dauer Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.“ Das führe zu einem erhöhten Unfallrisiko am Arbeitsplatz. Hinzu kommt: „Bei der Nutzung von Klimageräten mit Umluft oder von Ventilatoren ist in mehrfachbelegten Büros, Konferenz- und Seminarräumen oder in Bereichen mit Publikumsverkehr Vorsicht geboten, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2-Viren nicht noch weiter zu erhöhen“, sagt Siegl. Der TÜV-Verband gibt Hinweise, worauf Arbeitgeber und Arbeitnehmer:innen jetzt achten sollten.

Arbeitsplatz vor Hitze schützen

Einen Anspruch auf gekühlte Räume oder sogar Hitzefrei gibt es im deutschen Arbeitsrecht nicht. „Arbeitgeber sind verpflichtet, die Mitarbeiter vor Gefahren am Arbeitsplatz zu schützen. Das gilt auch bei deutlich erhöhten Temperaturen“, sagt Siegl. Die entsprechenden Richt- und Grenzwerte sind in den „Technischen Regeln für Arbeitsstätten“ von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin enthalten. Liegt die Lufttemperatur in Arbeitsräumen über 26 Grad, müssen Arbeitgeber geeignete Maßnahmen ergreifen, zum Beispiel durch Sonnenschutzvorrichtungen. Bei Raumtemperaturen von mehr als 30 Grad müssen Arbeitgeber weitere technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen ergreifen. Erst ab einer Lufttemperatur von 35 Grad gelten Arbeitsräume als nicht mehr geeignet.

Regelungen für mobiles Arbeiten verlängern

Zu den wichtigsten organisatorischen Maßnahmen zählen flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Regelungen. „Die ohnehin in vielen Organisationen wegen der Corona-Pandemie eingeführten oder erweiterten Regelungen für mobiles Arbeiten sollten im Sommer fortgesetzt werden“, sagt Siegl. Hier könnten Beschäftigte flexibler auf große Hitze reagieren. Ist mobiles Arbeiten nicht möglich, können Arbeitgeber ihren Beschäftigten Getränke bereitstellen, die Kleiderordnung lockern oder häufigere Pausen in kühleren Bereichen ermöglichen. „Zusätzliche Pausen sind vor allem für Mitarbeiter sinnvoll, die bei großer Hitze lange mit Mund-Nasen-Schutz arbeiten müssen“, sagt Siegl. Eine weitere Maßnahme gegen überhitzte Arbeitsräume sind klare Anweisungen, am frühen Morgen zu lüften und den Sonnenschutz tagsüber geschlossen zu halten.

Klimaanlagen mit Frischluftzufuhr können die Virenlast senken

Wegen der möglichen Übertragung von Coronaviren über Schwebeteilchen in der Luft (Aerosole) kommt der richtigen Belüftung und Klimatisierung von Büros und Arbeitsräumen eine besonders hohe Bedeutung zu. „Grundsätzlich gilt: Je mehr Frischluft im Tagesverlauf in die Räume gelangt, desto besser“, sagt Siegl. „Befinden sich Erreger in der Luft, wird die Virenlast durch Frischluftzufuhr verringert und das Infektionsrisiko sinkt.“ Daher empfehlen TÜV-Arbeitsmediziner und Berufsgenossenschaften, Räume mit mehreren Personen mindestens alle 20 Minuten für mehrere Minuten zu lüften. Auch moderne Klimaanlagen und Klimageräte können den Schutz vor Infektionen erhöhen, wenn sie über eine Frischluftzufuhr verfügen. „Klimaanlagen mit Frischluftzufuhr kühlen den Raum und sorgen dafür, dass die Raumluft regelmäßig ausgetauscht wird“, sagt Siegl. Auch virenbelastete Luft könne so abgeführt werden. Dagegen sollten Klimaanlagen nicht im Umluftmodus betrieben werden. Die Geräte saugen dann die warme Raumluft an, kühlen sie und geben sie wieder ab. Siegl: „Im Umluftbetrieb besteht die Gefahr, dass sich vorhandene Viren im Raum verteilen und die Ansteckungsgefahr steigt.“

Vorsicht bei Klimageräten mit Umluft

Viele kleinere Klimageräte, darunter mobile Monoblockanlagen oder fest installierte, als Deckenkassetten verbaute Kaltwasser-Klimaanlagen, arbeiten mit Umluft. Das gilt auch für so genannte Splitgeräte, die aus einer Außen- und einer Inneneinheit bestehen. Auch hier wird kaum Frischluft zugeführt, da nur das Kältemittel zwischen den beiden Einheiten zirkuliert – außer bei speziellen Geräten mit Lüftungsfunktion. „Klimageräte verfügen zwar über Filter, die aber in der Regel nicht ausreichen, um die sehr kleinen, unter Umständen virenbelasteten Aerosole abzufangen“, sagte Siegl. Derzeit gelten vor allem Schad- und Schwebstofffilter der höchsten Filterklassen, unter anderem so genannte Hepa-Filter, als geeignet, die Coronavirenlast in einem Raum zu verringern. Die Einstufung der Filterklassen erfolgt auf Grundlage einer EU-Norm. „Bei extremer Hitze muss abgewogen werden, noch unbesetzte Räume vor einer Besprechung auch mit einem Umluftanlage zu kühlen, das Gerät abzuschalten und während der Besprechung auf Frischluftzufuhr über Fenster und Türen umzustellen“, sagt Siegl. In Einzelbüros oder im Homeoffice seien Klimageräte oder Ventilatoren kein Problem, wenn nicht weitere Personen in den Arbeitsbereich kommen. Verbraucher:innen sollten beim Kauf auf das GS-Zeichen für Geprüfte Sicherheit achten und sich damit vor überhitzenden Elementen, instabilen Konstruktionen oder schlecht isolierten Kabeln schützen.

Klimaanlagen nicht zu kalt einstellen

Klimaanlagen sollten generell nicht zu kalt eingestellt werden. Die Innenraumtemperatur sollte sich nicht um mehr als sechs Grad von der Außentemperatur unterscheiden, um Erkältungen zu vermeiden. Erleichterung können auch Ventilatoren bringen. Allerdings sollten Arbeitnehmer:innen bei Klimaanlagen und Ventilatoren auf den Luftzug achten, um Unterkühlungen oder einen steifen Nacken zu vermeiden. „In Räumen mit mehreren Personen sind Ventilatoren nicht zu empfehlen, da sich belastete Schwebeteilchen im Raum über den empfohlenen Mindestabstand von 1,5 Meter verteilen könnten“, sagt Siegl. In Produktionsbetrieben oder Lagerhallen können auch Luftduschen oder Wasserschleier für Abkühlung sorgen.

Bei Kreislaufproblemen hilft kaltes Wasser

Große Hitze führt zu einem sinkenden Blutdruck, da sich die Blutgefäße weiten. Ähnliches passiert, wenn man zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt. Gerade in Kombination kann das an heißen Tagen gefährlich werden. Schwindel, Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit und Übelkeit deuten auf Kreislaufprobleme hin. Dann hilft kaltes Wasser an den Handgelenken oder das Eintauchen der Unterarme in kaltes Wasser. Noch etwas wirksamer ist ein kaltes Fußbad. Betroffene sollten sofort ausreichend Wasser trinken und dann die Beine hochlegen, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Präventiv sollten Menschen bei großer Hitze viel trinken. Empfohlen sind bei normalen Temperaturen 1,5 Liter pro Tag. Ist es richtig heiß, kann aber auch 0,5 bis 1 Liter zusätzlich pro Stunde notwendig sein.