Große Mehrheit für digitale Hauptuntersuchung von Fahrzeugen

+++ Zwei Drittel befürworten Prüfung automatisierter Funktionen wie Notbremsassistent oder Abstandshalter +++ Gesetzliche Voraussetzungen für digitale Sicherheitsprüfungen fehlen +++ Sachverständigentag von TÜV-Verband und DEKRA
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© Thomas Rosenthal / VdTÜV e.V.

Mit dem Auto ohne eigenes Zutun Abstand halten, automatisch in der Fahrspur bleiben oder im Notfall eine Vollbremsung machen: moderne Fahrzeuge werden immer digitaler und per Internet vernetzt. Das macht das Autofahren bequemer und insgesamt sicherer, schafft aber neue Risiken. Die Systeme könnten im laufenden Betrieb ausfallen, weil beispielsweise Sensoren defekt sind oder kriminelle Hacker eingreifen. „Wir brauchen ein Sicherheitskonzept für die digitalen Funktionen von modernen Fahrzeugen“, sagte Dr. Michael Fübi, Präsident des TÜV-Verbands (VdTÜV), anlässlich des „Sachverständigentags 2019“ in Berlin. „Digitale Fahrzeugsysteme sollten wie analoge oder elektronische Komponenten bei der Hauptuntersuchung sowie bei der Zulassung neuer Modelle auf ihre Sicherheit und Funktionsfähigkeit geprüft werden.“ Das sieht auch eine breite Mehrheit in der Bevölkerung so: Zwei von drei Bundesbürgern (67 Prozent) sind der Meinung, dass automatisierte Funktionen in Fahrzeugen Bestandteil der Hauptuntersuchung sein sollten. 28 Prozent halten das für nicht erforderlich und 5 Prozent machen keine Angaben. Das hat eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands unter 1.002 Personen ab 18 Jahren ergeben. Bisher sind digitale Sicherheitsprüfungen aber nicht möglich, weil die gesetzlichen Voraussetzungen fehlen. „Die Prüforganisationen müssen Zugang zu sicherheitskritischen Daten und der Software der Fahrzeuge bekommen. Nur so können sie Risiken nachvollziehbar bewerten“, betonte Fübi. Dafür sei ein erweiterter gesetzlicher Prüfauftrag dringend erforderlich.

„Automatisierte Fahrfunktionen und andere sicherheitsrelevante elektronische Systeme haben großes Potenzial für die Verkehrssicherheit. Sie können ihren Nutzen aber nur entfalten, wenn sie über die gesamte Nutzungsdauer des Fahrzeugs hinweg zuverlässig funktionieren“, so DEKRA Vorstandsmitglied Clemens Klinke. „Um das sicherzustellen, ist es unerlässlich, dass sie im Rahmen der Hauptuntersuchung geprüft werden. Die Hauptuntersuchung muss dazu ständig weiterentwickelt werden, damit sie der Fahrzeugtechnik angemessen ist.“ Schon im Rahmen der Typzulassung neuer Fahrzeugmodelle, so Klinke, müsse die spätere periodische Fahrzeugüberwachung mit einbezogen werden, so dass die entsprechenden Prüfmöglichkeiten gegeben sind.

Beim „Sachverständigentag 2019“ von TÜV-Verband und DEKRA diskutieren am 18. und 19. Februar in Berlin rund 500 Verkehrsexperten, Prüfingenieure, IT-Experten und Politikvertreter über die Herausforderungen der mobilen Gesellschaft. Ein zentrales Thema sind die technischen, organisatorischen und politischen Voraussetzungen für die praktische Umsetzung der digitalen Hauptuntersuchung sowie der digitalen Typgenehmigung. Im Fokus der Vorträge und Diskussionsrunden steht außerdem die Frage, wer unter welchen Voraussetzung Zugang zu den in vernetzten Fahrzeugen erzeugten Daten bekommen soll. Weitere Themen sind die Reduzierung von Abgasemissionen sowie der Umgang mit Geräuschemissionen, was vor dem Hintergrund von Dieselfahrverboten und der Diskussion über geringere Umweltbelastungen durch den Verkehr besondere Aktualität hat. Nicht zuletzt steht der Mensch im Mittelpunkt: Die Expertinnen und Experten beschäftigen sich zum Beispiel mit der Frage, wie sich mit der rasanten Verbreitung von Assistenzsystemen die Fahreignungsprüfung weiterentwickeln muss.

Die Keynotes halten der renommierte Philosoph Prof. Julian Nida-Rümelin, Guido Beermann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sowie Bernhard Mattes, Präsident des Automobilverbands VDA. Beim politischen Abend diskutiert VdTÜV-Präsident Dr. Michael Fübi unter anderem mit Cem Özdemir, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur im Deutschen Bundestag, und Ines Jesse, Staatssekretärin des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung in Brandenburg.

Methodik-Hinweis: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Telefon-Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag des TÜV-Verbands unter 1.002 Personen ab 18 Jahren. Die Frage lautete: „Neuere Fahrzeuge verfügen immer häufiger über automatisierte Funktionen wie z.B. Notbremsassistent, Abstandshalter, Stauassistent oder Einparkautomatik. Sollten diese automatisierten Funktionen Ihrer Meinung nach Bestandteil der Hauptuntersuchung sein oder halten Sie das nicht für erforderlich?“

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