Sicher durch die Festtage: TÜV-Verband gibt Tipps zur Vermeidung von Bränden

+++ Offene Flammen an Weihnachtsbäumen oder Adventskränzen sind Hauptgefahr +++ Mindestabstand zwischen Teelichtern beachten +++ GS-Zeichen gibt Orientierung für sichere Weihnachtsdekoration +++ Vorbereitungen für den Notfall +++
Weihnachten-Kerzen-Brand
©Jarrod Reed via Unsplash

Kurz weggeschaut und schon ist es passiert: Explosionsartig und innerhalb weniger Sekunden kann ein Weihnachtsbaum in Flammen stehen. Minuten später brennt dann die komplette Wohnung. Insbesondere durch echte Kerzen auf Adventskränzen und Weihnachtsbäumen steigt das Risiko eines Wohnungsbrandes laut einer Statistik des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft stark an. In der Weihnachtszeit liegen die Feuerschäden um rund 50 Prozent höher als in den Frühjahrs- oder Herbstmonaten. So gab es zum Ende des Jahres 2018 rund 10.000 Wohnungsbrände, die einen Gesamtschaden von 31 Mio. Euro verursachten. „Verbraucher sollten die Gefahrenquellen kennen und unbedingt Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, um entspannt feiern zu können“, sagt Dr. Hermann Dinkler, Brand- und Explosionsschutzexperte beim TÜV-Verband (VdTÜV). Mit guter Vorbereitung lassen sich kleinere und größere Katastrophen verhindern. Der TÜV-Verband gibt Tipps für ein entspanntes Weihnachtsfest.

Echte Kerzen: Augen auf und gut planen!

Die Hauptgefahrenquelle sind offene Flammen, etwa von Wachskerzen. „Echte Kerzen dürfen niemals unbeaufsichtigt brennen“, sagt Dinkler. „Sobald alle Personen den Raum verlassen oder sich vom Weihnachtsbaum abwenden, müssen die Kerzen unbedingt gelöscht werden.“ Kerzen gehören in standfeste und nicht brennbare Halterungen. Auch die Standorte am Baum müssen sorgfältig ausgesucht werden. Brennende Kerzen müssen sich immer in sicherem seitlichen und auch vertikalem Abstand zu brennbarem Material wie Zweigen, Gardinen oder dem Baumschmuck befinden. Auch muss in jedem Fall Zugluft vermieden werden, da dadurch die Kerzen flackern, Funken fliegen und somit ein Feuer schneller entfacht werden kann.

Gute Baumständer helfen Brände zu vermeiden

Beim Kauf eines Weihnachtsbaumständers sollte auf alle Fälle auf geprüfte Produkte mit einem GS-Zeichen geachtet werden. Ein guter Christbaumständer sollte vor allem für genügend Stabilität sorgen – insbesondere bei echten Kerzen ist Standfestigkeit ein absolutes Muss. Die Ständer erfüllen aber noch eine weitere wichtige Aufgabe: der Wasserspeicher versorgt den Baum mit Flüssigkeit und bewahrt ihn vor einem vorzeitigen Austrocknen. „Je trockener ein Baum ist, um so schneller steht er in Flammen“, erläutert Dinkler. „Fehlende Feuchtigkeit wirkt wie ein Brandbeschleuniger.“ Deshalb müsse der Ständer über einen ausreichenden Wasserspeicher verfügen und regelmäßig befüllt werden. Außerdem sollte ein Weihnachtsbaum grundsätzlich erst kurz vor den Festtagen besorgt und aufgestellt werden, damit der Baum an Weihnachten noch nicht getrocknet ist.

Auch Teelichter sind riskant

Auch Teelichter sorgen häufig für weihnachtliche Stimmung. Doch Vorsicht: wenn viele Teelichter zu dicht auf einer Fläche aufgestellt werden, steigt die Brandgefahr. Durch die entstehende Hitze kann der Siedepunkt des Paraffins (ab 250 Grad) auch außerhalb des Dochtes überschritten und die entstehenden Dämpfe in Brand geraten, da sich die Wärmeabstrahlung der einzelnen Kerzen aufsummiert. Daher sollte zwischen den Teelichtern unbedingt ein Mindestabstand von drei Zentimetern eingehalten werden, besser ist ein noch größerer Abstand. „Grundsätzlich gilt: Überall, wo mit offenem Feuer hantiert wird, muss man besonders sorgfältig sein“, sagt Dinkler. So dürfen sich auch Kinder niemals unbeaufsichtigt in der Nähe brennender Kerzen aufhalten, Streichhölzer und Feuerzeuge gehören außerhalb ihrer Reichweite. Darüber hinaus rät der TÜV-Verband zur Vorsicht beim Konsum von Alkohol, um Haushaltsunfälle und Brände rund um die Feiertage zu vermeiden.

Brandrisiko Elektrik

Elektrische Beleuchtung ist eine sichere Alternative zu echten Kerzen – vorausgesetzt, man hält auch hier grundlegende Sicherheitsregeln ein. Vor dem Gebrauch sollten Nutzer die Kabel auf Brüche kontrollieren und defekte Leuchtmittel austauschen. Bei den unsicheren Produkten sind häufig die Kabel nicht ausreichend isoliert und Anschlüsse schlecht gesichert. „Bereits beim Kauf von Weihnachtsdekoration empfehlen wir dringend, auf die Qualität der Produkte zu achten“, sagt Dinkler. „Besonders beim Online-Käufen sollte der Shop in jedem Fall seriös sein und die Ware den europäischen Sicherheitsanforderungen entsprechen.“ Elektrische Geräte sollten daher ein Prüfzeichen nach den VDE-Bestimmungen tragen. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte zusätzlich auf das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit achten. Brandrisiken entstehen aber auch bei den Zuleitungen: Verteilerdosen und Verlängerungskabel dürfen nicht überlastet werden und auf keinen Fall Schäden aufweisen. Werden mehrere Lichterketten in Betrieb genommen, sollten sie an verschiedene Steckdosen angeschlossen werden.

Vorbereitungen für den Notfall

Sofern es nicht schon gesetzlich vorgeschrieben ist, sollte jede Wohnung und jedes Haus mit Rauchwarnmeldern ausgestattet sein. So können Brände frühzeitig erkannt und bekämpft werden. Außerdem warnen sie die Bewohner rechtzeitig vor einer Verrauchung der Zimmer, denn die größte Gefahr bei Bränden ist das Ersticken. „Grundsätzlich ist das eigene umsichtige Verhalten die beste Vorbeugung einer Weihnachtskatastrophe“, so Dinkler. Für den Notfall sollte ein Feuerlöscher und Löschspray bereitstehen. Um vorbereitet zu sein, sollte die Bedienungsanleitung des Feuerlöschers vorher studiert werden: in Panik bleibt dafür keine Zeit mehr! Eine möglichst luftdichte Decke, mit der die Flammen abgedeckt und somit erstickt werden können, ist ebenfalls hilfreich. Aber Vorsicht: dabei unbedingt die Hände in die Decke einschlagen, damit sie nicht verbrannt werden.

Haben eigene Löschversuche keinen Erfolg: Fenster und Türen schließen, aber vor allem Türen nicht abschließen! Sofort die Wohnung verlassen und die Feuerwehr über 112 verständigen. Außerdem sollten die anderen Bewohner des Hauses alarmiert werden, damit sie rechtzeitig ihre Wohnung verlassen können. Beim Verlassen insbesondere Kindern und körperlich beeinträchtigten Personen helfen.

Ansprechpartner

Leiter Kommunikation & Pressesprecher
T +49 30 760095-320