Bessere Luft durch konsequente Abgasprüfung!

+++ Schadstoffmessung bei AU direkt am Auspuff ab 2018 +++ Bis zu ca. 4,5 Mio. Pkw überschreiten Abgasgrenzwerte +++ VdTÜV fordert zusätzliche Überprüfung der Softwarestände
Abgas Pkw Auspuff
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Ab Januar 2018 werden in Deutschland wichtige Verbesserungen bei der regelmäßigen Abgasuntersuchung umgesetzt. Mit der Wiedereinführung der Endrohrmessung - und ein Jahr später mit der Absenkung der zulässigen Grenzwerte - können defekte oder manipulierte Abgassysteme von Fahrzeugen besser entdeckt und die Luftqualität in den deutschen Städten erhöht werden. Damit wird eine Forderung umgesetzt, für die sich der Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) seit vielen Jahren eingesetzt hat. Möglich wird das durch eine Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), die am 1.12.2017 in Kraft tritt.

„Wir begrüßen sehr, dass die Bundesregierung einen ersten Schritt zur Verbesserung der Abgasuntersuchungen auf den Weg gebracht hat“, erklärt VdTÜV-Geschäftsführer Joachim Bühler. Ab 1.1.2018 werden bei der Abgasuntersuchung wieder an allen Fahrzeugen die Schadstoffe direkt am Auspuff gemessen. Bislang waren seit der Einführung der elektronischen Auswertung an der On Bord Diagnose (OBD) - Schnittstelle im Jahr 2006 in den meisten Fällen nur die Daten der Motor- und Abgasreinigungssteuerung ausgelesen worden. „Eine ausschließliche elektronische Beurteilung eventuell vorhandener Mängel reicht bei der Abgasprüfung jedoch nicht mehr aus“, erklärt Bühler. Verschleiß, Manipulation oder Defekte an der Abgasanlage können mit der realen Messung der Abgase direkt am Endrohr um ein vielfaches besser erkannt werden, als mit einer rein elektronischen Abfrage. „In Zukunft zählt, was am Auspuff tatsächlich an Schadstoffen rauskommt“, so Bühler weiter. 

Wissenschaftliche Studien in Deutschland, aber auch in anderen Ländern der EU, haben nämlich ergeben, dass durch eine rein elektronische Mängelbeurteilung bis zu 10 Prozent der Fahrzeuge mit defekten oder manipulierten Abgasreinigungssystemen nicht entdeckt werden. Der VdTÜV schätzt die Zahl der unerkannten Luftverpester in Deutschland auf rund 4,5 Millionen. Bei ihnen liegen der Kohlenmonoxid-Ausstoß (Benziner) oder die Rauchgastrübung (Diesel) weit über den Grenzwerten.

Weitere Empfehlungen des VdTÜV für mehr Umweltschutz werden aber erst in den kommenden Jahren von der Politik umgesetzt. So gelten ab 2019 niedrigere Grenzwerte. Dann werden die Solldaten für Benziner ab EURO 6/VI auf 0,1 Volumenprozent Kohlenmonoxid im erhöhten Leerlauf abgesenkt. Bei Dieselfahrzeugen ab EURO 6/VI darf ab 2019 der Rauchgastrübungswert nur noch 0,25 m-1 betragen. Der ursprünglichen Forderung des VdTÜV, die neuen Grenzwerte bereits für Benziner ab EURO 4/IV bzw. Diesel ab EURO 5/V anzuwenden, wurde allerdings nicht gefolgt.

Mit der Einführung der Messung der Partikelanzahl beim Dieselfahrzeug wird im Jahr 2021 ein weiterer Meilenstein erreicht. Darüber hinaus setzt sich der VdTÜV dafür ein, dass zukünftig auch die Stickoxid-Emissionen im Rahmen der AU gemessen werden können. Hierzu muss allerdings noch die Messmethode entsprechend validiert werden.

„Um Manipulationen an abgasmindernden Komponenten des Fahrzeugs im Rahmen der Abgasuntersuchung aufzudecken, fehlt nach wie vor eine gesetzliche Regelung zur Prüfung der Software,“ erklärt Bühler. Es wird die Aufgabe der neuen Bundesregierung sein, auch hier die Möglichkeiten zur Manipulation durch wirkungsvolle Prüfvorschriften zu unterbinden. Das gleiche gilt für die Überprüfung der Stickoxide, die momentan noch nicht Gegenstand der Abgasuntersuchungen sind.

Voraussetzung für die Umsetzung der Änderungen der Abgasuntersuchung war die Anpassung der Anlage VIIIa der StVZO (Durchführung der Hauptuntersuchung). Diese Grundvoraussetzung wurde mit der Entscheidung im Bundesrat am 22. September 2017 erreicht. Der Bundesrat machte damit den Weg frei für die bereits geänderte AU-Richtlinie zum 1. Januar 2018.