Aufzugsanlagen müssen sicherer werden

Wie selbstverständlich nutzen Millionen Menschen täglich Aufzüge. Der VdTÜV hat in einer Statistik die Unfälle, die mit den Anlagen passieren, erfasst. Dabei wird deutlich: Die Aufzüge in Deutschland müssen noch sicherer werden.
Der VdTÜV erläuterte auf der Fachmesse Interlift die Unfallstatistik zu Aufzügen. (Foto: Diego Cervo/Fotolia)
Der VdTÜV erläuterte auf der Fachmesse Interlift die Unfallstatistik zu Aufzügen. (Foto: Diego Cervo/Fotolia)

Noch immer passieren in Deutschland zu viele Unfälle an Aufzugsanlagen. Das zeigt die Unfallstatistik des Verbands der TÜV e.V. (VdTÜV). Die Unglücke forderten 2010 ein Todesopfer, 72 Personen erlitten Verletzungen. Über die Zahlen informierte der VdTÜV auf der führenden Branchenmesse Interlift in Augsburg.

Auswertung seit 2007

Die Fachleute werten die gemeldeten Unfallzahlen regelmäßig aus. „Seit 2007 haben wir 218 Schadensfälle und Unfälle in der Statistik verzeichnet“, erläutert Dipl.-Ing. Ernst-August Siekhans, Leiter des Referats Fördertechnik beim VdTÜV. Von den 218 Schadensmeldungen gingen alleine 91 im Jahr 2010 beim VdTÜV ein. Es ereigneten sich dabei im Einzelnen:

> eine tödliche Verletzung

> 72 Unfälle mit Personenschaden: Betroffen waren 63 Benutzer, darunter 9 Kinder und 4 Behinderte, 3 Monteure und 6 weitere Personen, die am Aufzug beschäftigt waren (Hausmeister, Aufzugswärter, Haustechniker, Instandhalter, Sachverständige, Bauarbeiter)

> 18 Schadensfälle bzw. gefährliche Zustände ohne Personenschaden

Technische Defekte

"Als häufigste Unfallursache stellten sich mit 44 Prozent technische Defekte heraus. „Dazu zählen Schäden/Brandschäden an der Elektrik (15 Prozent), Notrufe von Eingeschlossenen (8 Prozent), so genannte Pufferfahrten (7 Prozent) und Probleme mit der Türverriegelung (3 Prozent)“, erläutert Ernst-August Siekhans. Zweithäufigste Ursache mit einem Anteil von 27 Prozent waren fehlerhaft schließende und öffnende Türen. Dadurch kam es zu Quetschungen, Einklemmungen und ähnlichen Verletzungen. In weiteren zwölf Prozent der Fälle führte unbündiges Anhalten zu Stürzen aus oder in den Fahrkorb. „Diese Zahlen und Beispiele können nur als Indikator für die tatsächliche Situation gesehen werden“, betont Siekhans. „Denn wir gehen davon aus, dass nur etwa 15 Prozent der Schadenfälle und Unfälle dem Verband mitgeteilt werden.“

Immer mehr Mängel

Die registrierten Unfälle sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Zugelassenen Überwachungsstellen (ZÜS) verzeichnen auch ständig steigende Zahlen an Aufzugsmängeln in ihrer Statistik, die ohne direkte Folgen bleiben. „Über die Hälfte der Aufzüge in Deutschland weist Mängel auf“, erklärt Dipl.-Ing. Dieter Roas (TÜV SÜD), Vorsitzender der VdTÜV-Leitstelle Fördertechnik. „Das ist für uns ein erschreckendes Ergebnis.“ Für den Anlagensicherheits-Report 2011 werteten die Experten der ZÜS insgesamt 469.421 Aufzugsprüfungen aus, die im Jahr 2010 in ganz Deutschland vorgenommen wurden (2009: 454.617). „Ohne Mängel“ waren dabei nur 48,69 Prozent (2009: 55,38 Prozent), „Geringfügige Mängel“ verzeichneten die Aufzugsprüfer bei 40,21 Prozent der Anlagen (2009: 39,88 Prozent), während 10,86 Prozent „sicherheitserhebliche Mängel“ und 0,24 Prozent sogar „gefährliche Mängel“ aufwiesen (2009: 4,46 Prozent und 0,28 Prozent).

Gesonderte Erfassung der Mängel vor und nach der Prüfung

Im vergangen Jahr wurde erstmals der sicherheitstechnische Zustand zu Beginn und nach der Prü-fung ermittelt, also Mängel die während der Prüfung beseitigt wurden, konnten somit erstmals gesondert erfasst werden, was ein noch dramatischeres Bild über die Sicherheit der Aufzugsanlagen in Deutschland zeichnet. Dabei dürfte auch hier die Dunkelziffer erheblich höher liegen, wenn man die „nicht geprüften“ Anlagen zugrunde legt.

Hohe Dunkelziffer

„Noch bedenklicher als diese Zahlen stimmt uns die hohe Dunkelziffer“, so Dieter Roas. „Wir gehen davon aus, dass 200.000 bis 250.000 Aufzugsanlagen gar nicht mehr von einer ZÜS geprüft werden.“ Viele Betreiber würden die Vorgaben der im Jahr 2002 in Kraft getretenen Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) unterlaufen und ihrer Verantwortung für den sicheren Betrieb ihrer Anlagen nicht mehr gerecht werden.

Klare Regeln für Kontrolle, Wartung und Prüfung

Der VdTÜV und die ZÜS werden sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass Aufzugsanlagen ein hohes Sicherheitsniveau aufweisen und Schäden sowie Unfälle soweit wie nur irgend möglich vermieden werden. Deshalb wird der VdTÜV auch zukünftig die Statistik fortführen und veröffentlichen. Ziel ist es, die Basis des Datenmaterials zu verbreitern und die Statistik dadurch noch verlässlicher zu gestalten. Um die Sicherheit und Funktionstüchtigkeit von Aufzugsanlagen zu gewährleisten, bedarf es klarer Regelungen für Kontrollen, Wartung und Prüfung. Seit April 2007 erstellt der Arbeitskreis der Zugelassenen Überwachungsstellen (ZÜS) im Bereich der Aufzugsanlagen (AK ZÜS 2 „Aufzugsanlagen“) beim VdTÜV in Berlin eine Statistik zu den Unfallzahlen bei Aufzügen.

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