Anhörung im Bundestag: Nachrüstungen werden nicht ausreichen

Die Emission von Luftschadstoffen – als bedeutendste umweltbedingte Ursache für vorzeitige Todesfälle in Deutschland und der EU – hat sich in den letzten Jahren verringert, dennoch besteht in vielen Städten immer noch Handlungsbedarf. Am 25. Juni 2018 beschäftigte sich die öffentliche Anhörung im Bundestag mit dem Thema Verbesserung der Luftqualität und diskutierte Maßnahmen, dieses Ziel zu erreichen.
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Öffentliche Anhörung im Bundestag am 25. Juni 2018

Anläßlich der Anträge der FDP-Fraktion und der Fraktion DIE LINKE waren ausgewählte Sachverständige eingeladen, Fragen zu der Einführung von WLTP/RDE und der Weiterentwicklung der Hauptuntersuchung zu beantworten. Die Positionen und Einschätzungen des VdTÜV vertrat Leif-Erik Schulte, Leiter des Instituts für Fahrzeugtechnik und Mobilität (IFM) bei TÜV NORD Mobilität.

Hardwarelösungen sind grundsätzlich möglich

Ein erster Themenkomplex der Anhörung befasste sich mit der Durchführbarkeit von Hardware-Lösungen und dem Nachrüsten von stickstoffreduzierenden SCR-Systemen im Speziellen. Schulte betonte, dass eine Nachrüstung mit SCR-Systemen prinzipiell möglich ist, dies allerdings unter der Voraussetzung, dass ein entsprechender Einbauraum in den jeweiligen Fahrzeugmodellen vorhanden sei. Der regulative Rahmen für die Umrüstung müsse jedoch vom Gesetzgeber geschaffen werden. Prinzipiell sollte bei technischen Nachrüstungen aber die Frage im Vordergrund stehen, ob diese auch die erhoffte Wirkung entfaltet und sowohl technisch als auch finanziell vertretbar ist. Hierfür brauche es Prüf- und Testverfahren, durch die sichergestellt werden könne, dass die Emissionen im Realbetrieb auch tatsächlich reduziert werden. Dass die Kosten für Hardware-Lösungen von den Herstellern getragen werden müssen, darin waren sich Jens Hilgenberg vom BUND und Dorothee Saar von der DUH einig, wohingegen Professor Georg Wachtmeister von der Technischen Universität München davor warnte zu denken, dass es schnelle Nachrüstungen „aus der Schublade“ geben könne.

Verbesserung der periodischen Abgasuntersuchung

Hinsichtlich des Beitrages der Hauptuntersuchung für die Verbesserung der Luftqualität, sprach sich Schulte im Namen des Verbandes für eine Anpassung der periodischen Abgasuntersuchung aus, um so das Abgasverhalten von Fahrzeugen im Verkehr besser bewerten zu können. Aktuell sei dies aufgrund fehlender gesetzlicher Regelungen nicht vollständig möglich – eine neue Reglung, die den umfassenden Zugang zur Überprüfung von Motorsoftware ermöglicht, sei daher vonnöten.

Mit multimodalen Verkehrskonzepten zu besserer Luftqualität

Denn auch im Bereich des automatisierten Fahrens wird die Überprüfbarkeit der Motorsoftware in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen. Großes Potenzial bieten außerdem multimodale Verkehrskonzepte, die in den Kommunen umgesetzt werden könnten – bislang mangelt es hier jedoch noch an klaren Vorschlägen und Orientierungshilfen. Neue Mobilitätsangebote und die praktische Umsetzung der multimodalen Verkehrskonzepte können somit ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Emission von Luftschadstoffen liefern und so die Zahl der dadurch verursachten vorzeitigen Todesfälle reduzieren.

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