Abgasuntersuchung: Messung am Endrohr wird Pflicht

Der Bundesrat stimmt schärferen Regelungen bei der Abgasuntersuchung von Fahrzeugen ab Baujahr 2006 bei seiner Vollversammlung zu. Ab 1. Januar 2018 wird die sogenannte obligatorische Endrohrmessung im Rahmen der Abgasuntersuchung Pflicht. Sie löst das bisherige zweistufige Verfahren ab, bei dem eine Endrohrmessung nur dann durchgeführt wird, wenn die On-Board Diagnose (OBD)-Prüfung (Auslesen der abgasrelevanten Fehlermeldungen aus der OBD) nicht möglich ist.
Abgas Pkw Auspuff
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Der Mehrwert der klassischen Endrohrmessung besteht darin, dass einzelne Schadstoffe direkt aus dem Abgasstrang untersucht und Fehler in der Abgasreinigung transparenter gemacht werden. Eine Kombination aus OBD-Daten und Endrohrmessung ermöglicht eine deutlich verbesserte Aussagekraft der Abgasuntersuchung. Erhebliche Schäden an den Abgasreinigungssystemen sowie unzulässige Manipulationen (z. B. Ausbau des Partikelfilters) lassen sich dadurch leichter feststellen. Als weiteren Schritt müssen nun bis 01.01.2019 die Abgasgrenzwerte an den Stand von Wissenschaft und Technik angepasst werden.

Hintergrund

Seit Einführung der OBD-Messung 2006 bestanden Zweifel, ob diese Messung alleine geeignet ist, alle Mängel an emissionsmindernden Einrichtungen im Fahrzeug zu erkennen, und damit den gesetzlichen Umwelt- und Gesundheitsschutzauftrag zu erfüllen. Diese Zweifel haben mehrere nationale und internationale Vergleichsstudien in den vergangenen Jahren bestätigen können.

Unter anderem hat die Projektgemeinschaft „Emission Check“ des ZDK, des ASA-Verbands und der Prüforganisationen TÜV und DEKRA, die das Abgasverhalten von über 1.750 Fahrzeugen nach den Vorschriften der Hauptuntersuchung analysierte, eindeutige Erkenntnisse gebracht: Bei ausschließlicher OBD-Prüfung wurden bei lediglich 1,9 Prozent der untersuchten Fahrzeuge Fehler, d. h. Mängel festgestellt. Bei Anwendung des heutigen 2-stufigen Verfahrens (Endrohrmessung nur dann, wenn OBD nicht vollständig prüfbereit) stieg die Quote der mit Mängeln auffällig gewordenen Fahrzeuge auf 2,4 Prozent. Hingegen werden bei der generellen Kombination OBD mit der Endrohrmessung sogar 7,1 Prozent auffällige Fahrzeuge erkannt. Dies bedeutet für Deutschland, dass bei dem bestehenden Prüfverfahren ca. 1 Mio. Pkw des Fahrzeuggesamtbestands mit abgasrelevanten Mängeln nicht identifiziert und repariert werden, und damit unnötig die Umwelt mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen gerade in verkehrsnahen Bereichen belasten.

Insbesondere vor diesem Hintergrund begrüßt der VdTÜV e.V. die Zustimmung des Bundesrats zur Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Verordnung.

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