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VdTÜV-Blog: Elektromobilität für soziale Einrichtungen

Ein Leben ohne E-Fahrzeuge

Vor drei Jahren wurden wir Teil des VdTÜV-Projektes und integrierten drei Nissan Leaf in unsere Fahrzeugflotte, um sie zu testen und folgende Fragen zu beantworten: Wie alltagstauglich und nützlich ist der Gebrauch von Elektrofahrzeugen für soziale Einrichtungen? Welche Vor- und Nachteile treten im Alltag auf? Wie erleben die Mitarbeiter der sozialen Dienste und deren Umfeld Elektromobilität? Zum Abschluss des Projektes fassen wir unsere Ekenntnisse zusammen.
BSS Nissan leaf Fahrzeugübergabe eMO
Der Nissan Leaf von Innen

Die Björn Schulz Stiftung ist Trägerin des Kinderhospizes Sonnenhof in Berlin Pankow sowie vieler weiterer ambulanter Dienste, die Familien mit einem lebenslimitierten erkrankten Kind begleiten. Insgesamt werden jährlich 500 Familien begleitet, davon 400 in häuslicher Umgebung. Diese Aufgabe kann nicht nur mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln wahrgenommen werden, erst recht nicht, wenn die Wege auch ins angrenzende Brandenburg führen.

Mit den drei Nissan Leaf bei der Björn Schulz Stiftung haben wir einiges erlebt und die E-Fahrzeuge ausgiebig getestet.

Was sind die Erkenntnisse unserer E-Fahrer nach drei Jahren?

1. Es gibt unterschiedliche Fahrzeugnutzer bei der Stiftung: Die Stromer und die Benziner. Die Innovativen und die Traditionalisten. Da braucht es Zeit, bis die Nutzung von Elektrofahrzeugen eine Organisation durchdringt, vor allem, wenn auch noch Benziner Bestandteil der Flotte sind.

Es gibt die Mutigen und die Ängstlichen. Wenn der Akku leer ist, bleibt der Nissan Leaf stehen. Das hat viele zu Beginn davon abgehalten, den Nissan zu nutzen, wenn Fahrten mit über 100 Kilometern anstanden. Andere sahen es sportlich – mal schauen, wie viele Kilometer mit entsprechender Fahrweise gefahren werden können. Allerdings einmal ging der Strom aus. Aber auch dann konnte eine Lösung gefunden werden.

2. Es überzeugt der Fahrkomfort, die Beschleunigung und das Umweltbewusstsein. Wir konnten eine Beitrag zum Umweltschutz leisten. Vor allem Letzteres kann sich eine Stiftung nicht entziehen, die sich für „eine Zeit voller Leben“ auch in schwierigen familiären Bedingungen verschrieben hat. So geht die Nutzung eines Elektroautos mit den Werten und dem Leitbild konform.

Es ist ein schönes und sicheres Fahrgefühl, sehr komfortabel. Unsere Fahrer haben es oft genossen, an der Ampel die dicken Benziner hinter sich zu lassen. Einmal ging das sogar mit quietschenden Reifen.Unsere E-Fahrer schätzen die Ruhe und die schnelle Beschleunigung der E-Mobile. Insbesondere ist aufgefallen, dass andere Verkehrsteilnehmer sehr positiv auf E-Autos reagieren. Einige unserer Fahrer finden die E-Fahrzeuge so super, dass sie sich auch privat dafür entscheiden könnten, ein E-Auto zu fahren.

3. Die Fahrt ist immer für eine Geschichte gut. Vor allem in der Winterzeit, da wird schon mal vorsorglich die Heizung runtergedreht, das Radio ausgeschaltet oder eine Decke mitgenommen. Aber auch das Erlebnis, dass plötzlich ein Mensch, der das E-Auto nicht hörte, weil er blind war, vor unserem fahrenden E-Auto stand und etwas irritiert war - dass bleibt als E-Fahrer in Erinnerung. Wir bemerkten den Blinden aber rechtzeitig, stiegen aus und halfen ihm über die Straße. Die Autos hinter uns warteten geduldig.

4. Reichweite? Das ist so eine Sache. Man muss schon ganz schön seine Fahrweise umstellen. Man fährt vorausschauender und entwickelt ein anderes Gefühl für die Fahrweise. Doch immer wieder war auch die Erfahrung: Einen Kilometer gefahren, zwei Kilometer verbraucht. Die angegebenen Reichweiten der Hersteller sind schon sehr optimistisch. Doch für unsere Fahrten für Dienste, die sich in einem Bezirk in Berlin bewegen, da ist die Reichweite ausreichend. Bei Fahrten durch ganz Berlin mit mehreren Terminen, da wird es eng. Erst recht, wenn noch die Parkplatzsuche damit verbunden ist. Auch die Fahrten im Winter waren möglich, wenn unsere Fahrer die Winterfunktion genutzt hatten.

Fazit

Wir sind sehr zufrieden mit den Fahrzeugen, sie sind geräumig und bieten einen hohen Fahrkomfort. Die Autos sind schnell, bequem, einfach zu bedienen und die Termine in ganz Berlin sind problemlos mit dem eingebauten Navi zu erreichen. Zudem sind sie leise und nicht, wie die Benziner, mit Motorenlärm verbunden. Außerdem sehen sie natürlich auch gut aus!

Für uns war es eine große Unterstützung für die Arbeit. Die Elektrofahrzeuge haben uns sehr geholfen, die Familien auch zuhause mit unserem ambulanten Kinderhospizdienst oder mit den Einzelfallhelfern unserer Stiftung besser und umfassender zu betreuen.

Seit Mai ist das Projekt nun leider beendet und wir müssen uns wieder umstellen, nur noch mit unseren Bezinern zu fahren. Ein Leben ohne E-Fahrzeuge beginnt.

Erfahrungsbericht aus der Björn Schulz Stiftung,
geschrieben von Wolfgang Kern, Geschäftsführer Björn Schulz Stiftung

Alle Blogtexte zum Nissan Leaf finden Sie hier.

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