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Weiterentwicklung der Hauptuntersuchung

Die Anpassung von Fahrzeug- und Prüftechnik ist ein ganz wesentlicher Teil der bevorstehenden Neuordnung der periodischen Fahrzeugüberwachung. Bei ca. 25,5 Mio. Hauptuntersuchungen (HU) pro Jahr soll damit eine größtmögliche Effizienz bei hohem Qualitätsniveau erreicht werden. Dafür müssen unter anderem auch einige bisher national noch nicht vorgeschriebene Prüfpunkte in die Richtlinie 2010/48/EU übernommen werden.
HU Pkw
HU (© TÜV Rheinland AG)

Bereits heute lässt sich sagen, dass sich die mit der 41. Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften eingeführte Prüfung von Systemdaten prinzipiell bewährt hat. Allerdings ist auch feststellbar, dass der Zeitbedarf für die Untersuchung von Fahrzeugen mit elektronisch geregelten Systemen beachtlich zunimmt. Um Effizienz und Qualität der HU zu steigern, soll deshalb in Zukunft eine Prüfung über die elektronische Fahrzeugschnittstelle die Systemdatenprüfung ersetzen. Dies führt dazu, dass elektronisch geregelte Systeme bei den älteren im Verkehr befindlichen Fahrzeugen noch über die Systemdatenprüfung, bei neueren aber schon über die Fahrzeugschnittstellen elektronisch zu prüfen sind.

Weiterhin ist beabsichtigt, durch die Angabe spezieller mechanischer Messgrößen gleichwertige Beurteilungskriterien für das zu untersuchende Fahrzeug vorzugeben. Das heißt beispielweise Verschleißmaße für Bremsen, bestimmte Druckwerte für Druckluftbremsen und Grenzwerte für Achslager- oder Radlagerspielmaße. Durch solche Prüfdaten ist eine Verbesserung der Qualität der Untersuchungen und eine Gleichbehandlung bei der Bewertung der Fahrzeugmängel zu erwarten. Zusätzlich sollen die bei der HU festgestellten Ergebnisse zum Aufbau einer Datenbank mit Fahrleistungsstatistik genutzt werden.

Die ermittelten Daten dienen als Entscheidungsgrundlage für relevante Entscheidungen/Beurteilungen im Verkehrssektor. Das Wissen über technische Mängel hilft zudem Herstellern und Importeuren bei der Verbesserung ihrer Fahrzeugproduktion. Des Weiteren können die ermittelten Daten bei der gezielten Unfallforschung hilfreich sein.

Sachstand, Chancen und Risiken

Auch in Europa ist das Thema periodische Fahrzeugüberwachung auf der Tagesordnung. Die EU-Kommission hat in ihrer Mitteilung zu den Verkehrssicherheitsleitlinien
2011–2020 das Ziel formuliert, die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2020 um die Hälfte zu reduzieren. Dazu fordert sie unter anderem die Anwendung von „höchsten Prüfstandards“ für die Straßenverkehrssicherheit durch „unabhängige Prüfeinrichtungen“ in ganz Europa. Der Verband der TÜV unterstützt diese Ziele der EU-Kommission ausdrücklich. Ein wesentlicher Baustein der Straßenverkehrssicherheit ist die periodische Fahrzeuguntersuchung (engl. „Periodical Technical Inspection/PTI“), die derzeit über eine Richtlinie für alle Mitgliedsstaaten geregelt ist.

Die EU-Kommission plant, die für die periodische Fahrzeuguntersuchung geltende Richtlinie 2010/48/EU zu überarbeiten. Wesentliche Ziele sind unter anderem die europaweite Harmonisierung der Prüfinhalte und -methoden auf einem höheren Niveau und die gegenseitige Anerkennung der Prüfergebnisse unter den jeweiligen Mitgliedsstaaten. In Deutschland ist davon die periodische Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO betroffen. Folgende sechs Bereiche sollen in der neuen Richtlinie verbindlich geregelt werden:

  • Art und Umfang der periodischen Fahrzeuguntersuchung
  • Mängeldefinition und -bewertung zu untersuchender Fahrzeugklassen
  • Untersuchungsfristen Prüfmittel/-geräte
  • Qualifikation der Prüfer
  • Akkreditierung/Aufsicht
  • Datenaustausch

Eine einheitliche europäische Prüfsystematik auf höchstmöglichem Niveau sollte berücksichtigen, dass in einzelnen Mitgliedsstaaten bereits hoch entwickele, erfolgreiche Systeme und Verfahren einen positiven Beitrag zu Verkehrssicherheit und Umweltschutz leisten. Die Erfahrung zeigt, dass sich über Mindeststandards hinausgehende Innovationen in einzelnen EU-Mitgliedsstaaten schon bewährt haben. Recherchen belegen, dass Fahrerassistenzsysteme – wie z. B. Notbrems-, Abstands- und Spurhaltesysteme –, die in die periodische Fahrzeugüberwachung mit einbezogen sind, die Zahl der Unfälle, der Toten und Verletzten deutlich reduzieren. Laut Studie beträgt die Reduzierung durch diesen Effekt

  • Anzahl der Getöteten um 274-Personen pro Jahr
  • Anzahl der Schwerverletzten um 3.747-Personen pro Jahr und bei der
  • Anzahl der Leichtverletzten um 24.365-Personen pro Jahr.

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