VdTÜV

Funktionierende Fahrassistenzsysteme können Menschenleben retten

Der VdTÜV beschäftigt sich intensiv mit verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen Fragestellungen. Eine Rolle spielten diese Themen auch auf dem 4. Sachverständigentag (SVT) des VdTÜV. Prof. Horst Brunner erläuterte dort die Bedeutung und den Nutzen von Fahrassistenzsystemen.
Fahrerassistenzsysteme gehen über das ABS hinaus. Eine Forschungsgemeinschaft ermittelt, welche Vorteile die Systeme wirklich bringen. Auf dem VdTÜV-Sachverständigentag stellte Prof. Horst Brunner die Ergebnisse vor. (Foto: ingenium-design.de/Fotolia)
Fahrerassistenzsysteme gehen über das ABS hinaus. Eine Forschungsgemeinschaft ermittelt, welche Vorteile die Systeme wirklich bringen. Auf dem VdTÜV-Sachverständigentag stellte Prof. Horst Brunner die Ergebnisse vor. (Foto: ingenium-design.de/Fotolia)

Die Zahl der Verkehrsunfälle in Deutschland ist in den vergangenen 30 Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum ist die Zahl der im Straßenverkehr Verletzten um etwa rund 30 Prozent gesunken und die der Todesopfer um fast 80 Prozent. Dennoch starben im Jahr 2009 in Europa knapp 35.000 Menschen im Straßenverkehr, weltweit waren es 1,2 Millionen. Einen Ansatz für mehr Verkehrssicherheit mit Hilfe von Fahrerassistenzsystemen stellte Prof. Horst Brunner anlässlich des 4. Sachverständigentags des VdTÜV in Berlin Anfang März 2010 vor. Brunner lehrt an der TU Dresden.

Menschliches Fehlverhalten im Mittelpunkt

Bei der überwiegenden Mehrheit der Verkehrsunfällen ist menschliches Fehlverhalten die Ursache. Hier setzen die Fahrerassistenzsysteme an. Sie bieten verschiedene Möglichkeiten: Zum einen können sie helfen, Verkehrsunfälle zu vermeiden. Zum anderen gibt es Assistenzssysteme, die im Falle Unfalles eingreifen und so die Schwere der Folgen reduzieren.

Information und Schutz

Die Funktionen dieser „Assistenten für den Fahrer“ sind so konzipiert, dass sie den Fahrer informieren und warnen sowie unterstützen und schließlich auch eingreifen können. Ein eingebautes Fahrerassistenzsystem kann das Fahrverhalten und die Fahrsicherheit des Fahrers unterstützen. Zudem können manche Systeme die Bediensicherheit des Fahrzeugs verbessern sowie bei der Wahrnehmungssicherheit und der Kondition des Fahrers helfend eingesetzt werden. Weitläufig bekannt sind beispielsweise das Anti Blockier System, das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), der Regensensor und auch der Abbiege-Assistent. Als wirkungsvolles Fahrerassistenzsystem nennt Prof. Brunner auch die Müdigkeitserkennung. Dieses System erstellt ein individuelles Fahrerprofil, das fortlaufend aktualisiert wird. Dazu beobachtet ein Sensor die Frequenz und Geschwindikeit des Lidschlusses beim Auge. Der gleitende Übergang von Wachzustand bis zur Ermüdung kann so durch eine Änderung des Fahrerprofils erkannt werden, und der Fahrer wird gewarnt.

Nutzen steht im Fokus

Immer neue Assistenzsysteme befinden sich in der Planung. Dabei stehen bei der Entwicklung dieser Systeme die Fragen nach Nutzen, Kosten und Akzeptanz im Vordergrund. Die vorausschauende Ermittlung des Nutzens eines geplanten Assistenzsystems ist dabei im Entwicklungsprozess die Frage mit oberster Priorität. Mit der GIDAS (German In-Depth Accident Study) kann der Nutzen dieser unterschiedlichen Assistenzsysteme ermittelt werden.

3000 Daten für die Ursachenforschung

Die Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden ist Bestandteil des Gemeinschaftsprojektes GIDAS. Initiatoren sind außerdem die Forschungsvereinigung Automobiltechnik e.V. (FAT) und die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Für GIDAS analysieren seit 1999 in den Großräumen Hannover und Dresden Ärzte und Techniker ca. 2.000 Unfälle pro Jahr. Sie nehmen dabei diejenigen Verkehrsunfälle in eine umfangreiche Datenbank auf, bei denen mindestens eine Person verletzt wurde. Rund 3.000 Einzeldaten berücksichtigen die Fachleute dabei - alle können wichtige Details zum Unfallhergang und seinen Gründen liefern. Hierzu zählen die technischen und medizinischen Daten, Angaben zur Unfallstelle, eine maßstäbliche Unfallskizze, etwa 100 Fotos pro Unfall, eine Unfallrekonstruktion sowie die Befragungen zum Unfallhergang.

Unfallbewertung

Das entsprechende Verfahren zur Bewertung von Unfällen stellte Prof. Brunner auf dem VdTÜV-Sachverständigentag 2010 dar. Um den Hergang von aufgenommenen Unfällen mit und ohne Fahrerassistenz-Systemen zu bewerten, teilen die Fachleute um Brunner die ermittelten Daten in zwei entsprechende Gruppen (Unfall mit/ohne Sixherheitssystem) auf und vergleichen diese dann im Anschluss miteinander.

Akzeptanz

Eine Bewertung der Akzeptanz von Fahrerassistenzsystemen ist mit Hilfe der Datenbank GIDIS (German In-Depth Incidence Study) ebenfalls möglich. Hier analysieren die Fachleute ihr Datenmaterial danach, inwieweit ein Assistenzsystem eine positive Auswirkung auf das Unfallgeschehen hatte oder ob es durch eine Überfrachtung eher hinderlich für den Fahrer ist.

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