TÜV-Report 2007: Wir wollen, dass Sie sicher fahren!
Dr. Klaus Brüggemann
Rund sieben Millionen Hauptuntersuchungen haben die TÜV im Verlauf des vergangenen Jahres ausgewertet. Kurz zusammengefasst, kann man das Ergebnis des TÜV-REPORT 2007 mit einem verhaltenen Optimismus beschreiben. Sehr erfreulich: Der Sieg geht nach Deutschland, die heimischen Marken sind in Führung gegangen. Opel, diesmal mit dem Meriva ganz vorne, hat bereits schon einmal den ersten Platz belegt, das war 1985 mit dem Ascona. Ford, dieses Jahr zweitplatziert, triumphierte 2002 mit seinem Focus.
Die Quote erheblicher Mängel ist leicht zurückgegangen, auch das ist erfreulich. Statt 18,9 Prozent wie im TÜV-Report 2006, mussten im vergangenen Jahr 18,2 Prozent aller geprüften Fahrzeuge vom TÜV in die Werkstatt, bevor sie die Plakette erhielten. In mangelnder Wartung und Pflege, Reparaturen in Heimarbeit oder einfach nur Nachlässigkeit liegen wichtige Ursachen für erhebliche Mängel. Natürlich spielt auch die Qualität der Fahrzeuge eine Rolle. Wir haben es in den vergangenen Jahren immer wieder angemahnt. Wir begrüßen es, wenn die Fachwerkstätten wieder über gestiegene Kundenzahlen berichten. Wenn hier ein Zusammenhang zu der gesunkenen Zahl erheblicher Mängel besteht, sind wir auf dem richtigen Weg. Denn mehr denn je gilt: Ein derart komplexes Gesamtkunstwerk wie ein modernes Automobil gehört in die Hände von Profis. Und die finden sich nur in guten Werkstätten.
Trotz einer möglichen Trendwende können wir aber noch keine Entwarnung geben: 18,2 Prozent erhebliche Mängel sind immer noch die Hälfte mehr als vor 10 Jahren. Hochgerechnet auf den Gesamtfahrzeugbestand, sind bei einem Anteil von fast einem Fünftel immer noch rund 8 Millionen Fahrzeuge auf der Straße unterwegs, die eigentlich dringend in die Werkstatt müssten. Sie haben erhebliche Mängel an Beleuchtung, Bremsen und Fahrwerk und beeinträchtigen dadurch die Verkehrssicherheit. Nach einem Unfall werden Fahrzeuge in den seltensten Fällen von Sachverständigen auf technische Defekte untersucht, was in den gängigen Statistiken dann meist dazu führt, dass der Zusammenhang zwischen Unfall und Zustand der Technik vernachlässigt wird. Meist verketten sich bei Unfällen die ursächlichen Faktoren: Der GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) hat zum Beispiel in einer Untersuchung festgestellt, dass ein Viertel aller tödlichen Unfälle auf Autobahnen auf das „Einschlafen am Steuer“ zurück zu führen sind. Bei sowieso herabgesetzter Reaktionsfähigkeit erhöhen defekte Bremsen oder mangelhafte Stoßdämpfer das Unfallrisiko zusätzlich. Und manches Fahrzeug, das in intaktem Zustand noch beherrschbar gewesen wäre, gerät aufgrund technischer Mängel außer Kontrolle. Eine systematische, bundesweite Unfallforschung, die auch die technischen Mängel mit einschließt, ist überfällig.
Zwei weitere Zahlen sind interessant: Der Anteil der erheblichen Mängel bei dreijährigen Fahrzeugen stieg in den letzten zehn Jahren von 3,5 auf nun fast 6 Prozent, bei siebenjährigen kletterte er von 8,7 auf 15,8 Prozent. Ich erwähne dies bewusst mit Blick auf eine Diskussion, die vor einigen Wochen geführt wurde, nachdem einige Mitglieder des Deutschen Bundestages gefordert hatten, die erste Hauptuntersuchung erst nach vier Jahren vorzuschreiben und bei alten Fahrzeugen die Prüfintervalle zu verkürzen. Ich kann Ihnen versichern: Dass die jungen Fahrzeuge, die nach drei Jahren teilweise 100.000 km und mehr auf dem Buckel haben und in einigen Fällen Quoten von über 10 Prozent aufweisen, in den letzten Jahren besser geworden seien, bestätigen unsere Zahlen im TÜV-REPORT jedenfalls nicht.
An dieser Stelle möchte ich eines klarstellen: In Deutschland werden die Prüffristen nicht von den TÜV, sondern national vom Verordnungsgeber festgelegt und im § 29 der StVZO klar geregelt. Hier gilt der Prüfzyklus 3/2/2, also drei Jahre bis zu ersten Prüfung und danach Prüfungen in zweijährigem Rhythmus. Jede Änderung dieser Verordnung ist sehr bewusst ein langwieriger Prozess und bedarf einer intensiven Diskussion, an der Experten aus den verschiedensten Bereichen beteiligt sind. Der VdTÜV bringt sich an dieser Stelle mit seinem Sachverstand ein, den er aus dem von ihm organisierten Erfahrungsaustausch gemeinsam mit seinen Mitgliedern gewinnt. Im Rahmen dieser Fachgespräche wird eine Veränderung der Prüffristen zurzeit nicht diskutiert.
Wir würden uns freuen, wenn der TÜV-REPORT 2007 eine Trendwende einleitet und die Zahl der erheblichen Mängel tatsächlich auch in den nächsten Jahren weiter absinkt. Dennoch dürfen wir uns nicht zurücklehnen: Die Ergebnisse zeigen auch, dass wir alle in unseren Anstrengungen nicht nachlassen dürfen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Daher am Schluss noch einmal mein Appell: Nehmen Sie Wartung und Pflege ernst, gehen Sie regelmäßig in eine qualifizierte Werkstatt.
Wir wollen, dass Sie sicher fahren!
Ihr
Dr. Klaus Brüggemann


