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TÜV Report Nutzfahrzeuge: Hohe Mängelquoten im Alter

Bereits nach fünf Jahren fiel jedes fünfte Nutzfahrzeug in Deutschland bei der Hauptuntersuchung mit erheblichen sicherheitsrelevanten Mängeln auf. Dadurch konnte die TÜV-Plakette im ersten Anlauf nicht erteilt werden. Knapp die Hälfte der geprüften Fahrzeuge kam ohne Beanstandung durch den TÜV. So lauten wichtige Ergebnisse des TÜV Report Nutzfahrzeuge 2012, den der Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) herausgibt. Der Report entstand als Beilage der Fachzeitschrift „VerkehrsRundschau“ im Rahmen der IAA-Nutzfahrzeuge 2012.
TÜV Report Nutzfahrzeuge 2012 Lkw
TÜV Report Nutzfahrzeuge 2012

Bereits nach fünf Jahren fiel jedes fünfte Nutzfahrzeug in Deutschland bei der Hauptuntersuchung mit erheblichen sicherheitsrelevanten Mängeln auf. Dadurch konnte die TÜV-Plakette im ersten Anlauf nicht erteilt werden. Knapp die Hälfte der geprüften Fahrzeuge kam ohne Beanstandung durch den TÜV. So lauten wichtige Ergebnisse des TÜV Report Nutzfahrzeuge 2012, den der Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) herausgibt. Der Report entstand als Beilage der Fachzeitschrift „VerkehrsRundschau“ im Rahmen der IAA-Nutzfahrzeuge 2012. 1,26 Millionen Hauptuntersuchungen (HU) haben die Experten der TÜV-Unternehmen dazu ausgewertet.

Mängelquoten im Alter

Auffällig ist, dass mit zunehmendem Fahrzeugalter die Quote der Nutzfahrzeuge mit erheblichen Mängeln stark ansteigt. Im Durchschnitt lag sie bei den einjährigen Fahrzeugen bei 6,3 Prozent. Nach drei Jahren betrug sie 13,1 Prozent und nach fünf Jahren 20 Prozent. Geringe Mängel wurden lediglich an 18,1 Prozent der einjährigen Fahrzeuge festgestellt, mängelfrei waren 75,6 Prozent. Nach fünf Jahren sieht das Bild anders aus: Geringe Mängel weisen 31,1 Prozent auf sowie ohne Mängel der geprüften Fahrzeuge bestehen nur noch 49 Prozent die HU.

Häufigste Mängel: Beleuchtung und Bremsen

Die häufigsten Mängel fanden die TÜV-Experten an der Beleuchtungsanlage in über 20 Prozent der Fälle bei den vier- und fünfjährigen Fahrzeugen. Probleme am Motor und Antrieb (5,6 Prozent)gingen als zweitgrößte Mängelkategorie in die Statistik ein. Auch die Lenkung und Vorderachse erweisen sich als Schwachstellen vor allem bei den Lkw mit 7,5-Tonnen. Diese Mängelquoten bei den Nutzfahrzeugen liegen höher als bei der HU-Statistik der Pkw.

Besonders sticht bei den Kleintransportern bis 3,5 Tonnen der schlechte Zustand hervor. „Die Quoten erheblicher Mängel liegen bei den Kleintransportern nach zehn Jahren teilweise um die 40 Prozent“, erläutert Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VdTÜV. „Weil sie mit hohen Geschwindigkeiten eingesetzt werden, bedeuten dabei die hohen Mängelquoten an den Bremsen ein großes Risiko für die Verkehrssicherheit.“

Was wird wann geprüft

Geprüft werden im Rahmen der HU Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen (Sprinter) erstmals nach 24 Monaten und danach im zweijährigen Rhythmus. Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen erstmalig nach 12 Monaten zur HU und danach jährlich. Zusätzlich zur HU schreibt der Gesetzgeber allen Fahrzeugen ab 7,5 Tonnen eine zusätzliche Sicherheitsprüfung vor, die je nach Gewichtsklasse ab 30 bzw. 42 Monaten nach Erstzulassung zu erfolgen hat.

Bewertung nach Gewichtsklassen

Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen, wie Cityvans, wiesen bei den Einjährigen eine überdurchschnittlich hohe mängelfreie Quote von 79,9 Prozent auf. Auch bei den Fünfjährigen mit 54,5 Prozent ist der Wert noch überdurchschnittlich hoch. Hohe Mängelquoten sind bei Karosserie und Fahrwerk von über fünf Prozent bei den fünfjährigen Fahrzeugen zu finden. Die TÜV-Experten vermuten die Ursache in der hohen Beanspruchung der Fahrzeuge und mangelhafter Wartung durch ihre Besitzer.

Die 3,5 bis 7,5 Tonner, die häufig auch im privaten Bereich für Transporte genutzt werden, weisen eine überdurchschnittlich hohe Zahl an erheblichen Mängeln bei den Fünfjährigen mit 22,9 Prozent auf. Hauptgründe für schlechte Prüfergebnisse sind die Beleuchtungsanlage (30,1 Prozent). Stark betroffen sind auch die Bremssysteme, allein die Schäden an Bremstrommeln und Bremsscheiben betragen bis zu 10 Prozent.

Lkw über 7,5 und bis 18 Tonnen Gesamtgewicht schneiden überdurchschnittlich gut ab. Sie weisen bei den Einjährigen mit 5,5 Prozent und auch bei den Fünfjährigen mit 16,9 Prozent die niedrigste Quote bei den erheblichen Mängeln auf. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen der Gesetzgeber nach 30 bzw. 42 Monaten nach Erstzulassung eine Sicherheitsprüfung, zusätzlich zur HU, vorschreibt.

Die Lkw über 18 Tonnen schneiden gut ab. Nach einem Jahr weisen sie durchschnittlich gesehen die geringsten erheblichen Mängel bei der HU mit 5,1 Prozent auf. Auch nach fünf Jahren schneiden sie noch überdurchschnittlich gut ab mit 18,4 Prozent an erheblichen Mängeln. Mit steigendem Alter bleibt die Mängelquote immer unterdurchschnittlich. Im Vergleich zu anderen Gewichtsklassen fällt jedoch die Beanspruchung des Motors und Antriebs bei den schweren Lkw besonders auf: Die Mängelquote steigt nach drei Jahren überdurchschnittlich stark, durch die hohe Beanspruchung von jährlich rund 90.000 km Laufleistung, an.

Wartung ist wichtig

„Bereits bei den fünfjährigen Fahrzeugen liegen die Quoten erheblicher Mängel vielfach bei 20 Prozent“, so Dr. Brüggemann. „Besonders kritisch ist dabei die Tatsache, dass der Anteil der Mängel an der Bremsanlage sehr hoch ist“. Neben ihrer Dauerbeanspruchung leiden die Nutzfahrzeuge oft unter akutem Pflegemangel. „Einige sicherheitsrelevante Mängel könnten aber einfach vermieden werden, würde der Fahrer die vorgeschriebene Abfahrtskontrolle beachten“, betont Dr. Brüggemann. „Vor allem Mängel an der Beleuchtungsanlage können dadurch schnell aufgedeckt werden und zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führen.“

Der TÜV Report Nutzfahrzeuge vervollständigt neben dem TÜV Report Pkw und dem für Busse das Angebot an Ratgebern für die Sicherheit im Straßenverkehr. Der Report ist an den Ständen der TÜV-Unternehmen auf der IAA-Nutzfahrzeuge vom 20. bis 27. September 2012 erhältlich. Geprüft wurden sicherheitsrelevante Komponenten bei den schwereren Nutzfahrzeugen in den Bereichen bis 3,5, 3,5 bis 7,5, 7,5 bis 18 Tonnen und über 18 Tonnen. Die Ergebnisse ergeben sich aus der Hauptuntersuchung, die vom Gesetzgeber vorgeschrieben und im Umfang genau definiert ist.

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