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Fit to Drive-Kongress: Europäische Experten beraten über Gefahren von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr

Jährlich kommen in Europa circa 10.000 Menschen durch Alkoholunfälle im Straßenverkehr ums Leben. Auf dem 5. Fit to Drive-Kongress des VdTÜV in Den Haag beschäftigten sich nun Fachleute mit Lösungsansätzen, um diese Zahl drastisch zu reduzieren.
Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VdTÜV, eröffnete den 5. Fit to Drive-Kongress. (Foto: Hans Kruse/VdTÜV)
Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VdTÜV, eröffnete den 5. Fit to Drive-Kongress. (Foto: Hans Kruse/VdTÜV)

Eine gesamteuropäische Strategie im Kampf gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr fordern Verkehrsexperten auf dem internationalen Fit to Drive-Kongress im niederländischen Den Haag. Am 7. und 8. April 2011 trafen sich bereits zum fünften Mal Verkehrspsychologen und Verkehrsmediziner zum europaweit größten interdisziplinären Erfahrungsaustausch über das menschliche Verhalten im Straßenverkehr.

22.000 Alkoholunfälle alleine in Deutschland

Die Fachleute schätzen, dass in Europa jedes Jahr rund 10.000 Menschen durch Verkehrsunfälle sterben, bei denen Alkohol im Spiel war. In Deutschland wurden 2009 rund 22.000 Alkoholunfälle mit Personenschäden registriert, 440 davon waren tödlich. Zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) wegen Trunkenheitsfahrten mussten im Jahr 2009 in Deutschland 56.000 Personen. Insgesamt stellte die Polizei rund 200.000 Fahrten unter Alkoholeinfluss fest. Experten gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus: Auf ein festgestelltes Alkoholdelikt im Straßenverkehr kommen rund 600 unerkannte Fälle. Das entspricht einem Entdeckungsrisiko von 0,16 Prozent.

Erfolg der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung

Die gute Nachricht ist: Die Zahl der Alkoholunfälle ist in den vergangenen Jahren gesunken. „Das liegt sicher an einem rückläufigen Alkoholkonsum durch einen kulturellen Wertewandel,“ erläutert Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbandes der TÜV e.V. „Insbesondere in Deutschland ist es aber auch ein Erfolg der Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung, dass immer mehr Verkehrsteilnehmer Trinken und Fahren verantwortungsvoll auseinanderhalten.“ Sorge bereitet den Experten allerdings der zunehmende Missbrauch von Drogen im Straßenverkehr. Allein in Deutschland ist der Anteil der Begutachtungen im Rahmen der MPU wegen Drogenmissbrauchs innerhalb eines Jahres um 9,4 Prozent angestiegen.

Gesamteuropäische Strategie

Auf dem 5. Fit to Drive – Kongress forderten die Experten daher eine wirkungsvolle gesamteuropäische Strategie, um Alkohol und Drogen am Steuer weiter zu bekämpfen. „Angesichts der hohen Dunkelziffer wird deutlich, dass die Kontrolldichte durch die Polizei an ihre Grenzen stößt“, so Dr. Brüggemann. „Deshalb beschäftigt sich der Fit to Drive-Kongress intensiv mit präventiven Maßnahmen, die verhindern, dass sich Autofahrer unter Alkoholeinfluss hinters Steuer setzen.“ Die Experten sind sich darin einig, dass für Alkoholsünder im Straßenverkehr die Rehabilitation im Umfeld einer MPU offen stehen muss. Hier fehlt bislang aber eine europaweite Strategie.

Rehabilitation senkt Risiko

Die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten ermöglicht den Verkehrsteilnehmern eine Wiedereingliederung in den Straßenverkehr und senkt das Risiko weiterer Alkoholfahrten. Verkehrspsychologen und Verkehrsmediziner aus allen europäischen Ländern unterstützen mit dem Fit to Drive Kongress die EU-Kommission bei ihrem Ziel, bis zum Jahr 2020 die Zahl der Verkehrstoten von aktuell rund 35.000 zu halbieren.

Interdisziplinärer Austausch

Neben Psychologen und Medizinern beteiligen sich Fahrlehrer, Polizeibeamte, Pädagogen, Juristen sowie Vertreter von Behörden, die gemeinsam an einer Bestandsaufnahme und an Konzepten für die Zukunft arbeiten. Dr. Brüggemann: „Angesichts der großen Herausforderung können und wollen wir diesen Erfahrungsaustausch auf internationaler Ebene führen und gehen dabei bewusst interdisziplinär vor.“

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