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Elektrofahrzeuge auf dem Prüfstand: Funktionsprüfung von Hochvolt-Komponenten in den HU-Prüfkatalog aufnehmen!

Der Prüfkatalog der Hauptuntersuchung (HU) muss für Elektrofahrzeuge angeglichen werden. Der HU-Prüfkatalog ermöglicht heute schon, Elektroautos nach den gesetzlichen Vorgaben zu prüfen. Zukünftig sollte die HU bei Fahrzeugen mit elektrischem Antriebsstrang mithilfe eines Diagnosegerätes erfolgen. Dies ist das Ergebnis der ersten HU-Prüfung von E-Autos des Verbandes der TÜV e.V. (VdTÜV) im Rahmen des Schaufensters Elektromobilität der Bundesregierung. Das VdTÜV-Projekt, das von 2013 bis Mitte 2016 läuft, liefert Informationen, wie alltagstauglich E-Autos sind und welche spezifischen Anforderungen im Rahmen der Elektromobilität entstehen.
ASK eMO
Mercedes Vito unterwegs in Berlin (© Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Berlin)

Der VdTÜV übergab neun E-Fahrzeuge für Forschungszwecke an drei soziale Einrichtungen in Berlin. Seit Ende 2013 fahren die Björn Schulz Stiftung, das Albert Schweitzer Kinderdorf in Berlin und das Nachbarschaftsheim Schöneberg jeweils drei E-Autos: Renault Zoe, Nissan Leaf und Mercedes Vito. Die Elektrofahrzeuge werden jährlich, außerhalb der gesetzlichen Prüffristen, bei den Prüfstellen der TÜV überprüft. Die Daten ermöglichen es, die Anforderungen an den zukünftigen HU-Prüfkatalog zu ermitteln.

Neben dem VdTÜV-Forschungsprojekt untersuchte auch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im Rahmen einer Studie von 2011 bis Mitte 2013 E-Fahrzeuge bei der HU. Auch die Prüfstellen der TÜV waren Projektpartner. Die Daten der BASt liefern neben dem VdTÜV-Projekt Erkenntnisse über den technischen Zustand von E-Fahrzeugen und die zukünftigen Anforderungen an die Hauptuntersuchung für Elektrofahrzeuge.

Mängelhäufigkeiten der E-Fahrzeuge

Die TÜV-Sachverständigen stellten fest, dass tendenziell der Ladestecker, -anschluss und die Warnaufkleber fehleranfällig waren. Die HU-Ergebnisse zeigen insgesamt, dass die Mängelhäufigkeiten der E- gering sind. Allerdings sind aufgrund der geringen Stückzahl die Ergebnisse mit Vorbehalt zu betrachten. Weitere HU-Auswertungen sind zukünftig notwendig.

Anforderungen an HU-Prüfkatalog: Funktionsprüfung bei E-Autos mit einem Diagnosegerät ermöglichen

Die gewonnenen Daten ermöglichen es, notwendige Ergänzungen am HU-Prüfkatalog für E-Autos zu benennen. Die Funktion der Hochvolt-Batterie, die Hochvolt-Kabel, -stecker und Ladeanschlüsse sollten zukünftig über eine Funktionsprüfung erfolgen, die ein Bestandteil der HU-Prüfung werden sollte. Ein Diagnosegerät zur Prüfung von elektrischen Systemen an der OBD-Schnittstelle (On-Board-Diagnose), wie z. B. der HU-Adapter PLUS, der ab 2015 eingesetzt werden kann, ermöglicht es, bei E-Autos den elektrischen Antriebsstrang zu überprüfen. Die Prüfung des Batteriemanagementsystems, das die Lade- und Endladevorgänge steuert, wird erst mit dem Diagnosegerät möglich sein. Zu hohe Abweichungen der Werte können zu einem erhöhten Gefährdungspotenzial durch Überhitzen der Batterie führen.

Die Durchführung der einzelnen Funktionsprüfungen an den Hochvolt-Komponenten sollte zukünftig in einer separaten Richtlinie beschrieben werden (HU-Hochvolt-Richtlinie). Die Ergebnisse werden im Anschluss des Gesamtprojektes als Empfehlung an das Bundesverkehrsministerium übermittelt.

Prüf- und Werkstattpersonal auf Hochvolt-Technik schulen

Im Gegensatz zu konventionellen Fahrzeugen mit 12 bis 24 Volt entstehen bei Elektroautos Spannungen über 400 Volt. Das Prüf- und Werkstattpersonal muss mit den neuen Spannungsebenen umgehen können, um Unfälle durch elektrische Stromeinwirkung wie Schlag oder Kurzschluss zu vermeiden.

VdTÜV-Forschungsprojekt als Teil des Schaufensters Elektromobilität

Die Bundesregierung hat im April 2012 vier Regionen in Deutschland als „Schaufenster Elektromobilität“ ausgewählt und fördert auf Beschluss des Deutschen Bundestages die Forschung und Entwicklung von alternativen Antrieben. Insgesamt stellt der Bund für das Schaufensterprogramm Fördermittel in Höhe von 180 Millionen Euro bereit. In den groß angelegten regionalen Demonstrations- und Pilotvorhaben wird Elektromobilität an der Schnittstelle von Energiesystem, Fahrzeug und Verkehrssystem erprobt. Das Projekt „Elektromobilität für soziale Einrichtungen“ ist eines von rund 30 Kernprojekten im Schaufenster Berlin-Brandenburg. Das Internationale Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg wird von der Bundesregierung sowie den Ländern Berlin und Brandenburg gefördert. Die Koordination der Projekte liegt bei der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO. Im Rahmen des VdTÜV-Projektes fahren das Nachbarschaftsheim Schöneberg, die Björn Schulz Stiftung und das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Berlin jeweils mit drei E-Autos, Renault Zoes, Mercedes Vitos und Nissan Leafs, für Forschungszwecke durch die Hauptstadt. Die wissenschaftlich ausgewerteten Ergebnisse aus der Projektarbeit des VdTÜV mit Unterstützung seiner Mitglieder werden den Schaufensterregionen zur Verfügung gestellt und veröffentlicht.


VdTÜV-Blog: www.vdtuev.de/blog.e-fahrzeuge-im-einsatz

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